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München: Staus kosteten Autofahrer 2022 viel Lebenszeit

Mehr Verkehr, mehr Stau: Autos legten 2022 mehr Kilometer auf deutschen Straßen zurück als vor Corona – und sie standen auch wieder häufiger in der Blechschlange. In München ging es extrem zäh voran.

münchen: staus kosteten autofahrer 2022 viel lebenszeit

München: Staus kosteten Autofahrer 2022 viel Lebenszeit

Leere Straßen, einsame Kreuzungen – so sah es in deutschen Städten während des ersten Corona-Lockdowns aus. Inzwischen zeigt sich ein völlig anderes Bild: Während die Pandemie ausläuft, ist der Normalzustand im Verkehr längst wieder erreicht. Mehr noch: 2022 lag das Verkehrsaufkommen in Deutschland, gemessen in Fahrzeugkilometern an Wochentagen, wieder acht Prozent über dem Vorkrisenniveau von 2019. Das zeigen Daten des Verkehrsanalysten Inrix.

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Und wo viele Autos fahren, da ist Stau. Durchschnittlich 40 Stunden standen Autofahrende in Deutschland im Jahr 2022, wo sie eigentlich fahren wollten. Dieser Wert liegt noch knapp unter dem Vor-Corona-Niveau, auch wenn die Stehzeiten in vielen Städten gegenüber 2021 wieder anstiegen.

Der Titel der staureichsten Stadt Deutschlands geht einmal mehr an München: 74 Stunden verloren Autofahrende dort laut Inrix über das ganze Jahr summiert – mehr als drei volle Tage. Nadelöhr ist der Mittlere Ring, wo man in Stoßzeiten täglich 13 Minuten verlor. Auf den weiteren Plätzen folgen Berlin (71 Staustunden) und Hamburg (56 Stunden).

Inrix analysierte Datenquellen aus Smartphones, Fahrzeugen und von Städten und vergleicht dadurch Fahrzeiten während Haupt-, Neben- und Schwachverkehrszeiten. Der Wettbewerber TomTom kommt mit eigenen Daten und Berechnungen auf andere Ergebnisse – auf dieser interaktiven Karte können Sie das Staulevel in den größten deutschen Städten bis auf Ebene der Straßen nachvollziehen.

Vier europäische Städte in weltweiten Top 10

Weltweit führt London die Stau-Hitliste an – mit durchschnittlich 156 Stunden im Jahr 2022 stand man dort mehr als doppelt so lang wie in München. Während das nur einen Anstieg von fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutete, stiegen die Stehzeiten in Chicago, Platz zwei, gar um fast 50 Prozent gegenüber 2021. Unter den internationalen Top 10 finden sich vier europäische Stau-Städte.

»Trotz der geopolitischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten stieg weltweit die Zahl der Fahrzeugkilometer wieder an«, sagt Inrix-Analyst Bob Pishue. »Langfristig wird das Verkehrsaufkommen weiter steigen, aber im Falle einer weltweiten, starken Rezession könnten die Zahlen für 2023 leicht rückläufig sein.«

Der ADAC dagegen sieht das Verkehrsniveau von vor Corona noch nicht ganz erreicht. Spätestens 2024 sei die Pkw-Verkehrsleistung wieder so hoch wie vor der Pandemie, teilte der Automobilclub im Dezember mit. Doch mehr Verkehr im Jahr 2022 registrierte man auch hier, nämlich fünf Prozent mehr als im Vorjahr – trotz höherer Kosten für Kraftstoffe.

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