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Test: Nissan Townstar – Nicht für jeden geeignet

Das sind die Stärken und Schwächen des Hochdach-Kombis

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Es gibt einen wesentlichen Vorteil, den ein Hochdach-Kombi gegenüber einem gewöhnlichen Kombi hat. Sie können es sich denken: mehr Platz nach oben. Wahrscheinlich haben Sie deswegen auf diesen Artikel geklickt.

Die Laderaumhöhe beträgt 1,11 Meter. Das kann für manche Kinderwagen reichen, aber auch für Möbel und sogar Fahrräder. Letztere habe ich probeweise verladen. Wie Sie auf dem Foto sehen, passen tatsächlich zwei Räder, samt Gepäck, in den 1,86 Meter langen und 1,19 Meter breiten Laderaum. Die Verzurrmöglichkeiten sind jedoch nicht überwältigend, dafür handelt es sich nicht um einen Handwerker-Van.

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Primär ist der Townstar nicht als Transporter konzipiert, sondern als “normales” Auto. Das hat Vor- und Nachteile, kann aber auch genau der Kompromiss sein, den man sucht. Zuerst die Vorteile.

Das sind die Vorteile

Der 1,3-Liter-Vierzylinder leistet 130 PS und entwickelt 240 Newtonmeter Drehmoment. Das Drehmoment liegt früh an (1.600 – 3.500 U/min) und fühlt sich dadurch stärker an, als es die Zahl vermuten lässt. Akustisch hält sich der Motor im Hintergrund. Der Testverbrauch liegt bei sieben Litern auf 100 Kilometern. Ein guter Wert bei hohem Autobahnanteil und Geschwindigkeiten zwischen 130 und 150 km/h, samt Ladung.

Trotz des verhältnismäßig hohen Aufbaus verursacht der Fahrtwind kein ohrenbetäubendes Rauschen. Klar, Dämmung auf S-Klasse-Niveau gibt es im Townstar nicht, doch verglichen mit einem Modell wie dem Dacia Jogger geht es in Punkto Fahrgeräusche deutlich gediegener zu.

Die Verarbeitung ist ebenfalls hochwertiger als im Jogger. Allerdings handelt es sich bei den Materialien nicht um Seide bezogen mit Blattgold. Hartplastik soweit das Auge reicht. Wichtig: Das ist keine Kritik, sondern eine Feststellung. Der robuste Innenraum ist nämlich genau das, was man braucht, wenn Kinder Strandspielzeug als Wurfgeschosse nutzen.

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Apropos Kinder: Der Townstar verfügt über ein willkommenes Sicherheitsfeature. Folgendes Szenario: Sie sind gerade dabei den Townstar zu tanken. Der Tankdeckel steht offen und das Kind auf dem Rücksitz will aussteigen… ausgerechnet jetzt! Die hintere Schiebetür gleitet auf und saust mit ihrer Kante auf den Tankdeckel zu. Vor Ihrem geistigen Auge sehen Sie schon den Lack splittern, doch kurz vorher wird die Tür abrupt gestoppt. Dankenswerterweise verhindert ein Sicherheitsmechanismus, dass die Schiebetür den Tankdeckel rasieren kann.

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Neben den anfangs erwähnten Vorteilen bei der Höhe des Laderaums gibt es noch die Möglichkeit die Ladelänge von 1,86 Meter auf 2,58 Meter zu erweitern. Zu diesem Zweck kann die Lehne des Beifahrersitzes komplett umgeklappt werden.

Das sind die Nachteile

Das Navigationssystem gehört nicht zu den besten Systemen auf dem Markt. Katastrophale Fehler leistet es sich nicht, die Navigation bei Umleitungen lässt jedoch stark zu wünschen übrig. Während des Tests war es notwendig, eine Autobahn-Vollsperrung zu umfahren, doch selbst nach 30 Minuten Fahrzeit auf der Umleitungsstrecke war das Navi immer noch der Meinung, man müsse wenden. Google Maps war in diesem Fall deutlich hilfreicher. Hinzu kommt, dass die Ladezeit des Navis und die Reaktionszeit des Infotainments nur mittelmäßig sind.

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Die Gänge des Sechsgangschaltgetriebes werden etwas fahrig geführt. Generell schaltet sich der Townstar etwas schlackerig. Das ist kein großer Kritikpunkt, allerdings möchte ich ihn trotzdem erwähnen. Die Kupplung besitzt dafür einen prägnanten Schleifpunkt, der dem Eindruck eines Kleinwagenantriebsstrangs entgegenwirkt.

Für ein Auto, das sich besonders durch sein Platzangebot auszeichnet, fehlt es unter Umständen an Platz. Sollten Fahrer und/oder Beifahrer beispielsweise über 1,80 Meter sein und den jeweiligen Sitz in eine passende Position schieben, bleibt in der zweiten Reihe nur wenig Beinfreiheit. Für Kinder mag das gegebenenfalls okay sein, Erwachsene könnten aber in der zweiten Reihe Probleme bekommen. Falls Sie eine Babyschale haben, würde ich zudem empfehlen, dass Sie diese ausmessen oder damit zum Händler gehen, um die Platzverhältnisse in Augenschein zu nehmen.

Das Umklappen der hinteren Sitze kann potenziell nervig sein. Auch das hängt wieder mit der Position der vorderen Sitze zusammen. Sind diese zu weit hinten, bleibt die Lehne der Rückbank am Vordersitz hängen. Dann muss der Vordersitz nach vorne geschoben werden. Je nachdem wie groß Sie sind, kann es sein, dass Sie bei umgeklappter Rückbank nicht mehr angenehm vorne sitzen können.

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Die Hutablage kann ausgebaut nicht im Auto verstaut werden. Dieses Phänomen betrifft viele Modelle, nicht nur den Townstar. Wenn sie “mal schnell” etwas vom Baumarkt oder Möbelhaus holen wollen, sollten Sie daran denken die Hutablage vorher auszubauen und sie zu Hause lassen.

Fazit: 6,5 von 10 Punkten

Der Nissan Townstar ist definitiv nicht schlecht! Allerdings ist er nicht derart perfekt, dass man ihn pauschal jedem empfehlen kann. Es hängt tatsächlich von Ihren individuellen Anforderungen ab. Außerdem stellt sich die Frage nach einem angemessenen Preis-Leistungsverhältnis: In der getesteten Tekna-Ausstattung kostet der Townstar ab 30.450 Euro, in der Acenta-Variante ab 26.600 Euro.

An dieser Stelle muss ich erwähnen, dass sich die Preise zur Zeit häufig ändern. Es kann sein, dass das Modell bereits mehr kostet, wenn Sie das lesen. Insgesamt würde ich das Preis-Leistungsverhältnis als angemessen bezeichnen. Wer allerdings bereit ist auf etwas Komfort zu verzichten, sollte sich auf jeden Fall mal den deutlich günstigeren Dacia Jogger anschauen.

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