Mit dem Wagoneer S präsentiert die Stellantis-Tochter ihr erstes vollelektrisches SUV. Eine 800-Volt-Architektur sparte man sich aber.
Während andere Marken in Sachen Elektromobilität bereits vor Jahren Gas gaben und mittlerweile ein ganzes Modellportfolio mit Stecker präsentieren können, hielt sich Jeep bisher vornehm zurück. Hier und da ein Plug-in-Hybride und dort der kompakte Jeep Avenger, der eher ein kleiner Europa-SUV mit Fiat- und Peugeot-Genen ist – vielmehr war bisher nicht zu sehen.
Doch jetzt macht Jeep Ernst: Der Wagoneer S soll noch in diesem Jahr zum Generalaufgriff auf Teslas Model Y und X übergehen und ganz nebenbei noch der nationalen wie internationalen Premiumkonkurrenz das Leben schwer machen. Dem Audi Q6 e-tron beispielsweise, dem Volvo EX90 und natürlich auch dem Cadillac Lyriq des direkten Konkurrenten General Motors.
Eher konventionell Der gute Luftwiderstandswert von 0,29 geht bei dem Crossovers auf Kosten eines markanten Auftritts: Von vorne wirkt der Jeep Wagoneer S recht beliebig, imposant ist nur der mächtige, Spoiler-bekrönte Heckabschluss. Fotos: Jeep
Verzicht auf 800-Volt-Architektur
Das 100-kWh-Akkupaket im Unterboden der Plattform STLA Large von Stellantis – die auch die neuen Elektroautos von Dodge und Chrysler, Alfa Romeo und Maserati nutzen werden – soll für eine Reichweite von „über 300 Meilen“, also knapp 500 Kilometern, sorgen. Anzunehmen, dass es weitere Batterieoptionen geben wird, die dem Nutzer je nach Preis und Motorleistung mehr oder weniger Reichweiten offerieren.
Etwas überraschend bietet der Wagoneer S keine 800-Volt-Technik für besonders schnelles Laden, obwohl die Stellantis-Plattform dafür ausgelegt ist: Der Erstling muss sich mit der preisgünstigeren 400-Volt-Architektur begnügen. Mehr als 200 kW Ladeleistung sind dadurch kaum möglich. Die Batterie von 20 bis 80 Prozent nachzuladen soll trotzdem weniger als 25 Minuten dauern.
Großes Kino Auf Leder mögen sie in USA noch nicht verzichten, an die Monitor-Landschaften haben sie sich schnell gewöhnt. Im Wagoneer S ziehen sich die Displays über das gesamte Cockpit. Ein Head-up-Display gibt es obendrein.
Obligatorisch ist der Jeep Wagoneer S, der auf und abseits der Straßen seine Fähigkeiten präsentieren will. Dafür sorgen die fünf ansteuerbaren Fahrprogramme Auto, Sport, Eco, Snow und Sand. Der gute Luftwiderstandswert von 0,29 geht bei dem gefälligen Design des Crossovers jedoch auf Kosten eines markanten Auftritts, denn von vorne wirkt der Jeep Wagoneer S trotz der sieben angedeuteten Lufteinlässe recht beliebig und das fehlende Markenlogo unterstreicht dies noch. Dafür größer und imposanter denn je: der mächtige Dachabschluss – eher Aero-Flügel denn einfacher Spoiler.
Start in Europa: 2025
Innen gibt es je nach Version edle und klimatisierte Ledersitze vorne wie hinten. Zudem bietet der Elektroneuling zahlreiche Ablagen, USB-Anschlüsse und neben dem Display in der Mitte des Armaturenbretts und dem hinter dem Lenkrad mit jeweils 12,3-Zoll-Diagonalen auch ein Head-Up-Modul sowie eineExtra-Monitor für den Beifahrer. Längst üblich ist eine Over-the-Air-Updatefähigkeit, mit der man später sogar zusätzliche Motorleistung freischalten können soll. Marktstart in den USA wird im Spätherbst sein, während der Elektrocrossover Anfang 2025 auch in Europa Jagd auf Tesla und Co. machen soll. Was der Spaß kosten wird, hat die Stellantis-Tochter noch nicht verraten. Zur Orientierung: Das ebenfalls allradgetriebene Model X mit 335 Meilen Reichweite wird in den USA derzeit für rund 64.000 Dollar angeboten.