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BMW X3 Facelift (2021) im Test

Der 30d überzeugt fahrerisch, könnte beim Ambiente aber gerne zulegen

bmw x3 facelift (2021) im test

Was ist das?

In erster Linie ein ziemlich wichtiges Facelift. Der X3 ist eine der dicken Cashcows im BMW-Portfolio. Beweise gefällig? Seit der Einführung 2017 hat BMW von der dritten Generation (zusammen mit dem X4) 1,1 Millionen Stück verkauft. Das sind ziemlich viele SUVs. Oder SAVs, um im offiziellen Sprech der Münchner zu bleiben. Und das Segment verliert aktuell ja wahrlich nicht an Zugkraft.

Aber selbst ein erfolgsverwöhnter Bursche wie der X3 muss nach gut vier Jahren mal unters Messer. Der Audi Q5 hat sein Facelift schon hinter sich und im nächsten Jahr debütiert der neue Mercedes GLC. Besonders groß scheinen die Sorgen darüber im Konzern-Vierzylinder am Münchner Petuelring allerdings nicht zu sein. Der LCI oder Life Cycle Impuls (BMWlerisch für Modellpflege) fällt relativ überschaubar aus. 

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Erkennungsmerkmale des neuen Jahrgangs sind geänderte Schürzen, schmalere LED-Scheinwerfer (Laserlicht gegen Aufpreis), neu gestaltete Rückleuchten und selbstverständlich eine größere Niere. Das Angebot hat man zudem auf drei Linien gestrafft. Sie kriegen den X3 jetzt als – öhm – X3, dann natürlich mit M Sportpaket und mit den beiden Topmotorisierungen als M Performance-Modell. 

Das bringt uns zu den Aggregaten, bei denen – Sie ahnen es – nicht all zu viel passiert ist. Nach wie vor ist der X3 der Albtraum entscheidungsschwacher Menschen, denn Sie können ihn mit jeder nur erdenklichen Antriebskombo haben. Will sagen: Benziner, Diesel, Plug-in-Hybrid oder rein elektrisch als iX3 – alles kein Problem. Ein bisschen Elektrifizierung gibt es nun aber überall.

Neben dem seit Dezember 2019 produzierten PHEV X3 xDrive30e mit 292 PS-Systemleistung (50 Kilometer E-Reichweite) nutzen künftig alle Vier- und Sechszylindermotoren die 48-Volt-Mild-Hybrid-Technologie. Nachdem die Dieselaggregate bereits im Laufe des Jahres 2020 auf MHEV umgestellt wurden, erhalten jetzt auch die drei Benziner die Technologie mit 48-Volt-Startergenerator. Das Leistungsspektrum reicht von 184 bis 360 PS.

Bei den Dieseln gibt es xDrive20d (190 PS), xDrive30d (286 PS) und M40d (340 PS). Die Benziner heißen xDrive20i (184 PS), xDrive30i (245 PS) sowie M40i (360 PS). Und den X3 M Competition gibt es ja auch noch. Der leistet jetzt 510 PS und 650 Nm. Allrad und 8-Gang-Automatik sind durch die Bank Serie.

Alles, was irgendwie mit dem Thema Fahrwerk zu tun hat, bleibt unangetastet. Dieses Selbstvertrauen hat man ganz offensichtlich in Bayern. Etwas größere Umwälzungen gibt es dagegen im Innenraum. Die neue Mittelkonsole etwa wird vom aktuellen 4er übernommen. Der Infotainmentscreen mit Touchfunktion misst serienmäßig 10,25 Zoll. Gegen Aufpreis gibt es ein 12,3-Zoll-Display.

Darüber hinaus macht BMW typische Facelift-Moves. Neue Sitze, neue Oberflächen und die eine oder andere neue Gestaltung im Detail. Gut für die Klarheit beim Kunden und die Dicke des Prospekts: BMW hat die Komplexität der Sonderausstattungen um 30 Prozent reduziert.

Für den Umfang der Fahrhilfen und Connectivity-Lösungen gilt eher das Gegenteil. Natürlich. Hier gibt es die üblichen Facelift-Updates, etwa bei der aktiven Geschwindigkeitsregelung, der Lenk- und Spürführungsassistenz oder dem Rückfahrassistenten. Neu ist zudem der optionale “BMW Drive Recorder”, der Videobilder rund um das Fahrzeug erstellt. 

Der X3 startet künftig bei 51.000 Euro. Das entspricht einem Preisanstieg von ziemlich knackigen 3.200 Euro.

Wie fährt er?

Was macht ein schlauer Hersteller, der die schreibende und filmende Zunft schnell und einfach überzeugen will? Richtig, er stellt ihr zum Test ausschließlich Autos mit dem Dreiliter-Diesel vor die Nase. 

Der iX3 hatte mich im letzten Jahr wirklich überrascht und auch so ein Plug-in-Hybrid hat vermutlich den ein oder anderen Vorteil (vor allem als Firmenwagen), aber wenn du entspannt, sehr weit und monströs souverän fahren willst, dann führt kein Weg an diesem Sahnestück von einem Reihensechszylinder vorbei. 

Für mich auch im neuesten Anwendungsfall der beste Selbstzünder weit und breit. Laufruhig, vibrationsarm, dazu mit einer sehr angenehmen Geräuschentwicklung und überaus robustem Durchzug gesegnet. 

Optisch machte der Testwagen mit seinem mattschwarzen Individuallack ein bisschen den Eindruck, als würde er gerade auf der Isla Nublar vor einer Horde wildgewordener T-Rexe flüchten, aber grundsätzlich ist der X3 auch nach dem Facelift eher dynamisch angehauchter Alltagsheld und weniger schlammwühlendes Expeditionsfahrzeug.

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Das Fahrwerk ist eher auf der komfortablen Seite, lässt Bewegung zu und federt kurze Stöße, Schlaglöcher, Gullideckel et cetera sehr souverän weg. Komfortabel heißt in diesem Zusammenhang aber nicht lätschern oder schwerfällig. Das Auto ist einfach nur sehr gut gefedert. Es bewegt sich wach und motiviert. Die Lenkung ist gut gewichtet und kommuniziert ordentlich. Der X3 animiert jetzt nicht unbedingt zur super sportlichen Gangart, aber wenn Sie eine Autobahnauffahrt mal ein wenig ambitionierter angehen, dann lässt er Sie definitiv nicht im Stich. Für einen SUV-Zweitonner mit schwerem Diesel vorne drin geht das wirklich in Ordnung. 

Sie können der Dynamik natürlich noch ein bisschen auf die Sprünge helfen, indem Sie den Sport- oder Sport Plus-Modus anwählen (ja wirklich, ein X3 xDrive 30d hat einen Sport Plus-Modus). Allerdings wird das Auto dann deutlich straffer, fängt spürbar an zu hoppeln und die Lenkung verfestigt sich in einer Art, die ihr nicht wirklich zum Vorteil gereicht. 

Im Comfort-Modus wirkt der X3 sehr viel ausgewogener, überzeugt mit dem wohl klassenbesten Mix aus Agilität und Abrollverhalten.  

Wie ist er innen?

Auch wenn sich BMW für die neue Mittelkonsole auf die Schulter klopft, so richtig richtig anders sieht es hier deswegen nicht aus. Das ist ein wenig schade, denn gegen einen kleinen Ambiente-Boost wäre beim X3 wirklich nichts einzuwenden gewesen. 

An der Güte der Bedienung ändert das natürlich rein gar nichts. Die ist – wie bei jedem BMW – hervorragend. Ich weiß, wir betonen das immer wieder, aber wenn es nun mal so ist, dann darf man das auch sagen. 

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Was mir auch nach dem Facelift abgeht, ist ein Flair, eine Harmonie und Haptik im Material, wie es eigentlich angemessen wäre bei einem Fahrzeug dieser Preisstufe. An der reinen Verarbeitungsqualität gibt es nichts auszusetzen, aber so ein bisschen mehr Finesse und Wertigkeit wären schon wünschenswert. 

Die im Testwagen verbauten Sportsitze machen einen sehr guten Eindruck. Das gilt auch für das Platzangebot im Fond. Es ist schon eine Weile her, dass ich auf der Rückbank eines X3 Platz nehmen durfte, aber ich war wirklich überrascht, wie viel Beinfreiheit das Auto bietet.

Am Kofferraum hat sich wenig überraschend nichts geändert. Er bietet nach wie vor ein klassenübliches Ladevolumen von 550 bis 1.600 Liter. 

Fazit: 8/10

Das Facelift des BMW X3 ist mit Sicherheit keine Revolution und hauptsächlich optischer Natur. Bei Antrieben und Fahrverhalten gab es ja nicht wirklich Nachholbedarf. Das passt auch weiterhin, gerade im Falle des hervorragenden Sechszylinder-Diesels im xDrive30d. 

Technologisch und in puncto Bedienbarkeit ist das Auto voll auf der Höhe beziehungsweise führend. Lediglich das Interieur-Ambiente dürften die Münchner gerne noch ein paar Umdrehungen nach oben schrauben. Da hat auch die ein oder andere Kosmetik-Maßnahme bei der Modellpflege wenig ausgerichtet. Nüchterner BMW-Stil hin oder her, aber in diesem Preissegment darf man (beim X5 ist es ja ganz ähnlich) etwas mehr Behaglichkeit und Anmutung fordern. 

Abgesehen davon gibt es am X3 wenig auszusetzen. Wer ein sehr homogenes, ausgereiftes Mittelklasse-SUV sucht, dass genau weiß, auf was es in dieser Klasse ankommt, der macht hier definitiv keinen Fehler. Besonders überzeugend: Die Mischung aus Fahrdynamik und Komfort sowie die Bedienung der Assistenz- und Infotainmentsysteme.

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