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Smit Vehicle Engineering Oletha: Bildschöner Z4-/Z8-Mix im Test

BMW hat nie eine geschlossene Version des Z8 gebaut, also entwarfen die Smit-Brüder ihre eigene

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Als ich unseren Treffpunkt erreiche, fällt mir der Smit Vehicle Engineering Oletha sofort ins Auge. Bisher hatte ich ihn nur auf Bildern gesehen, aber die werden ihm einfach nicht gerecht. Dieses Auto ist schlicht wunderschön. Es nutzt Elemente des BMW Z8 – und daher irgendwie auch des 507 – und vereint sie in einer kompakteren, zweckmäßigeren Form.

Wie Sie sehen, handelt es sich um ein von Roadstern inspiriertes Coupé. Das Resultat macht auf jedem Zentimeter den Eindruck, als könnte es von BMW selbst stammen. Allerdings ist der Oletha in Wirklichkeit das Ergebnis der “Was wäre wenn?”-Überlegungen zweier Brüder. Es hilft natürlich, dass Kaess und Willem Smit, die Gründer des gleichnamigen Unternehmens, selbst Ingenieure und BMW-Fans sind.

Das, wie in Willems Fall, Tesla und Singer auf der Liste der ehemaligen Arbeitgeber stehen, schadet natürlich auch nicht. Kaess wiederum machte in seiner Laufbahn bisher Erfahrungen mit Verbundmaterialien für die Luftfahrt. Ein Schaden an Willems BMW Z4 M Coupé (E86) nach einem Trackday zeigte den Brüdern, dass es relativ leicht war, die Karosserie vom Unterbau des Fahrzeugs zu lösen. Daraufhin gewann die Idee stark an Momentum.

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Z8 Hardtop-Träume

“Wir begannen mit einigen Zeichnungen und fragten uns, ob das alles in puncto Dimensionen überhaupt möglich wäre”, erklärt Willem. Der E 86 Z4 funktionierte für ihre Zwecke, denn obwohl die Überhänge kürzer als beim Z8 sind, haben die beiden einen nahezu identischen Radstand. Der Z4 wurde zwar ursprünglich auch als Roadster entworfen, allerdings legte BMW später bekanntermaßen eine Coupé-Version nach. Und die ist wesentlich steifer als ein Z8 (etwa dreimal so steif, wenn man den Aussagen der Smit-Brüder glaubt).

Das passte hervorragend zu den fahrdynamischen Zielen, die Willem und Kaess für ihren Oletha formulierten. Denn bei aller Präsenz und Performance, die der Z8 besitzt, wurde er größtenteils nicht unbedingt als präzises, involvierendes Fahrerauto betrachtet. Dass so ein Z4 Coupé deutlich einfacher zu beschaffen und selbstredend um ein vielfaches günstiger ist, nahm man ebenfalls gerne mit.

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Das Design des Wagens hat das Brüderpaar weitgehend selbst entworfen. Sie verhehlen allerdings nicht, dass sie einen Spezialisten für Oberflächendesign hinzuzogen, um die Form zu finalisieren (um wen genau es sich dabei handelt, wollten sie nicht sagen). Der mysteriöse Experte hat zweifelsfrei einen phänomenalen Job gemacht. Die Proportionen des Oletha sind auf den Punkt.

Vom Spenderauto überlebt nur das Glas. Die Karosserie ist komplett aus Carbon. Die Brüder verhandelten mit Zulieferern aus den USA, aber schließlich sprangen sie in ein Flugzeug und holten sich ein Unternehmen aus Großbritannien an Bord. Auch hier: Top-Job. Das Finish ist beeindruckend.

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Passende Performance

Wir sprechen hier übrigens auch technisch nicht einfach von einem Z4 M Coupé mit neuer Karosse. Unter der Haube befindet sich der frei saugende 4,0-Liter-V8 aus dem E90 M3. Ganz original ist der aber auch nicht. Smit gibt mehr als 450 PS bei 8.200 U/min an (Serie waren 420 PS). Das maximale Drehmoment soll 462 Nm bei 3.700 U/min betragen. Das Drehzahllimit liegt bei 8.500 Touren. Neu sind unter anderem eine geschmiedete Kurbelwelle, Pleuelstange und Kolben. Dazu kommen optimierte Ventilfedern und eine Carbon-Ansaugung.

Für die Unterbringung des breiteren V8 im schmalen Z4 war einiges an Entwicklungsarbeit nötig. Unter anderem baute man spezielle Abgaskrümmer, durch die das Lenkgestänge hindurchpasst. Das wurde so gestaltet, dass man sowohl links- wie auch rechtsgelenkte Varianten realisieren kann. Die Motoraufhängungen sind wie mehr als 100 weitere Eigenanfertigungen unter der Haube aus dem 3D-Drucker. Bei den Buchsen vertraute man jedoch auf BMW-Originalteile, um Geräusche und Vibrationen auf einem akzeptablen Level zu halten.

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Aerodynamik-Tests ergaben, dass die schöne Form nicht besonders gut im Wind steht. Bei 200 mph ergab sich ein Auftrieb von 500 Pfund. Auch wenn das Auto diesen Speed nicht erreicht, ein mehr als beunruhigender Wert. Eine schnelle Lösung wäre das Anbringen eines festen Heckspoilers gewesen, aber das wollte man nicht. Also entwickelte man eine Lösung mit elektrisch ausfahrendem Flügel. Willems Freundin musste den Belastungstest übernehmen und ließ das Teil 10.000-mal ein- und ausfahren. Klingt furchtbar, aber der Mechanismus bestand den Test.

Die Brüder sagen, dass ihr dynamisches Ziel ein Porsche 996 GT3 war. Eine ziemlich hohe Hürde, doch die Realität sieht ein wenig anders aus. Der Oletha bietet ein breiteres Spektrum an Talenten, fühlt sich verbindlich und spaßig an, ohne einem zu viele Kompromisse abzuverlangen.

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Beim Fahrwerk entschied man sich für eine komplett einstellbare Lösung von KW. Das Setup kreiert einen hervorragenden Mix aus Verbindung zu Straße und Geschliffenheit. Der Abrollkomfort ist ziemlich geschmeidig, das Auto schluckt die meisten Schläge und Unebenheiten, bietet dabei aber sehr viel Kontrolle, wenn man es fliegen lässt.

Auf den geschmiedeten Felgen – 9×18 Zoll vorne, 10×19 Zoll hinten – sind Michelin Pilot Sport 4 S montiert. Die Bremsen kommen von AP Racing, haben Sechs-Kolben-Sättel vorne und Vier-Kolben-Sättel hinten. Auch nach einem Tag harten Fahrens stand der Druckpunkt wie eine Eins und verführte immer wieder zu gloriosen Hacke-Spitze-Schaltvorgängen.

Beim Getriebe handelt es sich um die manuelle ZF-6-Gang-Box aus dem E90 M3, welche die Kraft mit Hilfe eines mechanischen Sperrdifferenzials an die Hinterräder überträgt. Eigentlich könnte man den ganzen Tag im dritten Gang fahren, so einfach und geschmeidig leistungsentfaltet der V8. Auf der anderen Seite würde man sich damit selbst ganz schön schaden und die harte Arbeit der Gebrüder Smit auch nicht unbedingt würdigen.

Die Schaltvorgänge sind kurz und herrlich gewichtet. Zudem fühlt sich die Kupplung so positiv an. Sie gibt dem Oletha eine Physikalität, die total involvierend ist, wenn man es möchte. Auf der anderen Seite wartet das Auto mit viel Gelassenheit auf, wenn die Straßen weniger interessant sind oder man es nicht so eilig hat.

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Es lohnt sich also, den Schalthebel so oft wie möglich in die Hand zu nehmen, nicht zuletzt, weil auch der Motor ganz verschiedene Charaktereigenschaften im Repertoire hat. Der S65 kann so ziemlich alles von würdevoll bis manisch. Obenraus explodiert er richtig und generell gehen ihm nie die Ideen aus.

Die Chassis-Balance und die Genauigkeit der Vorderachse sind großartig. Der Oletha lenkt sehr schnell und direkt ein, mit einem kommunikativen Lenkgefühl, dass einen nie im Unklaren lässt.

Was einige tatsächlich enttäuschen könnte: Das Lenkrad ist wie große Teile des Innenraums Serie. Da waren die Brüder einfach pragmatisch. Das Problem ist nur: Bei einem Preis, der je nach Spezifikation jenseits der 450.000 US-Dollar (aktuell etwa 413.000 Euro) liegt, ist das eigentlich inakzeptabel. Die meisten Kunden werden hier Änderungen vornehmen wollen und die Smits arbeiten bereits daran.

Die Brüder beschreiben ihr Baby ganz einfach als “das Auto, das wir uns von BMW wünschen würden”. Und nach einer Fahrt im Oletha ist es wirklich schwer, sich dieser Charakterisierung zu widersetzen.

Mit seinen retro-modernen BMW-507-Linien wirkt das Smit Coupé prädestiniert für eine Ehrung beim Pebble Beach Concours d’Elegance im Jahr 2075. Besonders schön ist, dass der Smit Vehicle Engineering Oletha genauso speziell und wunderbar fährt, wie er aussieht. Sollten Sie jemals einen in echt sehen, werden Sie erkennen, welch ein Lob das ist.

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