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Lada Niva: Geschichte, Legenden und Kuriositäten

Der russische Geländewagen ist seit 1977 Kult. Wir zeigen die ungewöhnlichsten Varianten

lada niva: geschichte, legenden und kuriositäten

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Lada Niva: Die Anfänge

Im Sommer 1970 hatte Alexei Kossygin, Vorsitzender des Ministerrats der UdSSR, die Idee, einen Geländewagen zu entwickeln, der die Geländetauglichkeit des existierenden UAZ mit dem Komfort eines PKWs verbinden sollte. Der Auftrag zur Entwicklung eines solchen Fahrzeugs wurde sofort auf die Schreibtische der Direktoren von drei Werken gelegt: VAZ, AZLK und IzhAvto. Und bald erschienen die ersten fahrfähigen Prototypen – VAZ-E-2121, Moskvich-2150 und Izh-14.

Die Ausschreibung wurde von der Variante aus Togliatti recht klar gewonnen. Von allen dreien erwies sich der zukünftige Niva als der ausgewogenste und konkurrenzfähigste gegenüber den ausländischen Pendants. Die Referenzfahrzeuge für die Ingenieure und Designer des Werks an der Wolga waren übrigens die Land Rover Serie II (der Vorgänger des Defender) und der gerade vorgestellte Range Rover der ersten Generation.

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Lada Niva: Freud und Leid bei der Paris-Dakar

Der erste Serien-Niva erblickte am 5. April 1977 das Licht der Welt. Und das Interesse der Importeure ließ nicht lange auf sich warten, schließlich stieß der Niva auch im Westen in eine Marktlücke. Im selben Jahr begann der Franzose Jean-Jacques Poch, der zuvor mit der tschechoslowakischen Firma Skoda und Moskvich zusammengearbeitet hatte, mit dem Import von neu gebauten sowjetischen Geländewagen in das Land.  

Die Popularität des Niva in Westeuropa führte dazu, dass fünf AvtoVAZ-Geländewagen an der Premiere der Rallye Paris-Dakar anno 1979 teilnahmen, mit der der legendäre jährliche Marathon begann. Sie unterschieden sich von den Serienversionen nur durch eine verstärkte Federung, einen vergrößerten Kraftstofftank und einen Sicherheitskäfig. Zwei Crews erreichten das Ziel – auf den Plätzen 28 und 42. Da die Organisatoren aber alle Teilnehmer, auch die Motorradfahrer, in eine Wertung zusammenfassten, war es kein schlechtes Ergebnis.

Inspiriert durch den Erfolg wies Monsieur Poch das Team an, noch ernsthafter am Niva zu arbeiten. Im Jahr 1980 wurde ein hervorragende Ergebnis des Teams nur durch einen unglücklichen mechanischen Defekt behindert. Bereits 1981 und 1982 beendeten die Piloten von Lada Poch S.A. mit ihren Geländewagen mit modifiziertem 1,8-Liter-Motor mit etwa 140 PS den Marathon auf dem dritten respektive zweiten Platz.

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Lada Niva: Der englische “Cossack” und das seltene Cabrio

Die Auslieferungen des Lada Niva für den britischen Markt begannen 1978, ein Jahr nach dem Start der Serienproduktion. Aber es dauerte fünf Jahre, bis aus der Sowjetunion auch eine Rechtslenker-Modifikation anbot. Bis dahin dahin mussten britische Kunden also bereit sein, einige Unannehmlichkeiten in Kauf zu nehmen, die der attraktive Preis etwas abmilderte.

Erst gegen Ende der achtziger Jahre hat Togliatti versucht, den britischen Kunden für ihre Loyalität einen echten Gefallen zu tun. Der für UK umgebaute “Cossack” (Kosak) unterschied sich durch die erweiterte Liste der Grundausstattung, ein 5-Gang-Getriebe anstelle des serienmäßigen 4-Gang-Getriebes (der fünfte Gang wurde von den Engländern hinzugefügt) und mehr “Dämpfung” zugunsten der Vibrationsminderung. 

Etwas ganz Besonderes ist die Version Cossack Cabrio, die durch die Bemühungen des Ateliers Top Hat Conversions aus dem üblichen “Kosaken” entstanden ist. Heutzutage sind diese Niva eine Seltenheit. Und das erst recht in einem vernünftigen Zustand.

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Lada Niva: Experimente beim Radstand

Inzwischen sind wir zu einer interessanten und vieldeutigen Geschichte aus der Kategorie “Henne und Ei” gekommen. Die Hauptfigur der Geschichte ist das Auto mit dem internen Index VAZ-2129: ein absurd aussehender Dreitürer mit gestrecktem Radstand und einem lustigen quadratischen Fenster im mittleren Teil der Karosserie. Solche SUVs, die auch unter dem informellen Namen “Kedr” bekannt sind, wurden in Toljatti von 1994 bis 1996 produziert, bis zum Erscheinen des vollwertigen Fünftürers. Und das in mehreren Varianten.

Der Standard-VAZ-2129 – wie auch der klassische ‘Niva’ mit drei Türen – war streng viersitzig: die hintere Sitzbank war stets durch die hinteren Radkästen “eingequetscht”. Einerseits machte eine solche Anordnung keinen Sinn, andererseits bot sie den Fahrgästen buchstäblich limousinenartigen Raum. Die zweite Variante unterschied sich durch die herausgenommene hintere Reihe und das enorme Volumen des Kofferraums. Genau diese Entscheidung wurde später beim offiziellen Fünftürer VAZ-2131 verwendet, der bis heute unter dem Namen Lada Niva Legend verkauft wird.

Und ja – nach einer der populären Versionen, verdanken wir das Aussehen des langen Niva dem Auto auf dem nächsten Bild. Und nicht andersherum.

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Lada Niva: Allrad-Van auf russisch

1984 präsentierten die Franzosen von Renault den Espace, den viele bis heute für das erste in Serie produzierte Großserienauto der Welt halten (obwohl das nicht ganz stimmt) und der Vater aller Minivans ist. Kein Wunder: Unter dem Einfluss dieser schnell wachsenden Mode haben viele Autohersteller weltweit etwas Ähnliches erfunden. Die Jungs aus Togliatti bildeten da keine Ausnahme.

Der VAZ-2129, aus dem später der VAZ-2131 erwuchs, war ursprünglich nicht für die Produktion geplant. Niva-Prototypen mit gestrecktem, bis zu 2700 Millimeter messendem Radstand wurden gebaut, um das Konzept des Vans VAZ-2120 “Nadezhda” zu testen.

Der allradgetriebene Familientransporter auf dem Fahrgestell des Niva debütierte 1998 und blieb bis 2006 in Produktion. Er konnte sich aber nicht am Markt durchsetzen, unter anderem war die Verarbeitung grauenvoll. Während der gesamten Zeit wurden nur etwas mehr als 8.000 solcher Autos montiert.

Die Gründe für den Misserfolg dieses allgemein interessanten Autos waren der recht hohe Preis und die geringe Fertigungsqualität. Der “Nadezhda” wurde in der Krisenzeit des Werks geboren: Die Minivans wurden eigentlich aus dem “Bodensatz” montiert, der von populäreren Modellen übrig geblieben war.

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Lada Niva: Die Studien “River” und “Bora”

Doch nicht alle Ideen der Togliatti-Designer und -Ingenieure waren dazu bestimmt, auch in Kleinserie zu gehen. Zwei Derivate des Niva blieben Einzelstücke.

Beabsichtigt für den Einsatz in der Armee entwickelte man Mitte der 1970er-Jahre parallel mit dem zivilen Dreitürer den amphibischen VAZ-2122 “River”. Die empfindlichste Technik wie Getriebe und Verteilergetriebe wurden unter dem versiegelten Gehäuse versteckt, und die Rolle des schwimmenden Antriebs wurde den eigenen rotierenden Rädern übertragen: Dieses Schema erlaubte es, 4 km/h auf dem Wasser zu erreichen.

Leider wurde der schwimmende Niva trotz der phänomenal langen und akribischen Weiterentwicklung, die bis 1988 dauerte, nie in Serie gefertigt. Über mehr als zehn Jahre wurden 27 Autos gebaut, die sich stark voneinander unterschieden.

Ein noch seltsameres Schicksal erwartete das Projekt “Bora” aus der Mitte der 1990er-Jahre. Es war geplant, einen leichten Kompakt-SUV auf dem Chassis des Niva in Südamerika und im Nahen Osten zu produzieren, aber die ganze Sache ging schief. Zwei Prototypen, die erstellt wurden, sind jedoch noch am Leben. Einer lebt in Russland und der andere in den VAE.

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Lada Niva: Marsch, marsch, Bigfoot!

Diejenigen, die eine Chance hatten, die Moscow International Motor Show im Jahr 1995 zu besuchen, erinnern sich sicherlich an die Emotionen bei der Betrachtung dieses unglaublichen Niva mit Monster-Bereifung. Das damals vorgestellte Schneemobil “Marsh-1” der Firma “Bronto” aus Togliatti (das ist so etwas wie die Individual-Abteilung von AvtoVAZ, die sich auf die Produktion einzigartiger Geländewagen und Spezialausrüstung spezialisiert hat) lebt bis heute.

Die Preise für solch ein Auto beginnen bei 1,2 Millionen Rubel, umgerechnet rund 13.500 Euro. Es ist aber nicht schwer, noch mehr Rubel für zusätzliche Ausrüstung wie Winden auszugeben.

Unter der Haube des modernen “Marsh” steckt der serienmäßige 1,7-Liter-Achtventiler mit einer Leistung von 83 PS und 129 Newtonmeter Drehmoment. Er reicht aus, um den Geländewagen mit einem Gewicht von 1.700 kg auf 70 km/h zu beschleunigen.

Aber das Interessanteste beginnt natürlich außerhalb des Asphalts: Die gigantischen Reifen erlauben es dem Auto, kleine Tümpel zu überwinden und im Gelände zu zaubern. Die Durchfahrtshöhe erreicht 480 mm, die Böschungswinkel betragen 65 und 75 Grad entsprechend. Gleichzeitig übersteigt der spezifische Druck auf den Boden nicht 0,2 kg/cm².

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Lada Niva: Bis ans Ende der Welt

Man mag den urwüchsigen Lada Niva für veraltet und primitiv halten. Aber er kommt wirklich überall hin. Die “Marsh-1”-Versionen aus dem vorherigen Bild eroberten den Nordpol zweimal – 1999 und 2000. Ein ganz normaler VAZ-2121 ist seit mehr als zwölf Jahren ohne ernsthafte Ausfälle auf der russischen Polarstation Bellingshausen im Einsatz und transportiert Fracht und schleppt Schiffe bei extremen Temperaturen (von -54 bis +40°С).

Und es ist der Niva, die den Weltrekord der größten erreichten Höhe mit einem Auto im 20. Jahrhundert hält. 1998 erreichte die Besatzung des russischen Geländewagens das Everest-Basislager, nachdem sie 5.200 Meter über dem Meeresspiegel erreicht hatte. Ein Jahr später erreichte ein VAZ-2121 sogar 5.726 Meter auf dem tibetischen Plateau im Himalaya.   

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