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Genesis G80 (2022) im Test: Benziner mit Benz-Faktor

Der Preis ist attraktiv ... und vieles andere auch

genesis g80 (2022) im test: benziner mit benz-faktor

Hässlichkeit verkauft sich schlecht. Dieses Zitat des berühmten Industriedesigners Raymond Loewy, Schöpfer der Coca-Cola-Flasche und des Lucky-Strike-Logos, kennt man auch in der Automobilindustrie. Gerade in heutiger Zeit gibt es technisch gefühlt kaum noch Unterschiede zwischen den Marken, den gleichen Zulieferern und Sicherheitsvorschriften sei Dank.

Was ist das?

Also muss man sich über das Design definieren, wie man derzeit bei Elektroautos sieht. Und bei noch recht jungen Marken wie Genesis. Bei der Nobelabteilung des Hyundai-Konzerns hat Luc Donckerwolke, einst Chefdesigner bei Bentley, den Stift in der Hand. Das merkt man: Wir wurden bislang auf jeden Genesis-Testwagen positiv angesprochen. Und der G80 macht da keine Ausnahme.

Mit ziemlich genau fünf Meter Länge zielt der Genesis G80 auf Audi A6, BMW 5er und Mercedes E-Klasse. Global hat die Marke mit dem nicht minder eleganten G90 noch eine größere Nummer im Programm, die auf S-Klasse und Co. zielt. 

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Doch zurück zum G80, der seit 2020 in seiner jetzigen Form auf dem Markt ist. Neuerdings gibt es die Limousine auch mit reinem Elektroantrieb, hier finden Sie unseren Fahrbericht. Im Gegenzug ist auf dem deutschen Markt der 2,2-Liter-Diesel entfallen. Freunde des Verbrenners bekommen nur noch Turbo-Vierzylinder-Benziner mit 2,5 Liter Hubraum und 304 PS Leistung. Kann man damit glücklich werden? Zeit für einen Test!  

Bevor ich weiter über das Design schwadroniere, komme ich lieber zu den Fakten: 424 Liter Gepäck passen in den Kofferraum. Ganz okay, aber nicht viel im Konkurrenzvergleich. Dafür sitzt man vorne sehr opulent, 1,92 Meter Breite machen es möglich. Allerdings erstaunt die nur mäßige Bein- und Kopffreiheit im Fond trotz 3,01 Meter Radstand: Wer schön sein will, muss leiden. Design und so. 

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Für die Verarbeitung und die Materialien im G80 gab es von allen Fahrern Lob, selbst von jenen, die privat Audi oder BMW fahren. “Sehr gutes Auto”, “erste Sahne” und “cool” hieß es dazu von höchster Ebene. Kritik gab es aber am Wählrad der Automatik, welches unbedarft für die Bedienung des Infotainments gehalten werden kann. Da wir schon dabei sind: Wirklich intuitiv gehen Radio und Co. nicht von der Hand, immerhin gibt es Direktwahltasten und physische Schalter für die Klimatisierung.

Wie fährt er sich?

Kommen wir zum Triebwerk unter der Haube: Vier Zylinder, 2,5 Liter Hubraum, 304 PS und 422 Newtonmeter maximales Drehmoment. Mehr als ausreichend, möchte man meinen. Aber speziell beim Beschleunigen zeigt der gequälte Klang, dass hier die Leistung eben nur aus vier Töpfen gequetscht wird. Der künstliche Motorsound macht es nicht besser, bitte abschalten! Im Normalbetrieb ist der Motor zwar leise, trotzdem schade, dass es den 3.5 V6 von anderen Märkten hierzulande nicht im Genesis G80 gibt. 

Bringt die Zylinder-Diät wenigstens Vorteile beim Verbrauch? Wir fuhren fast 2.000 Kilometer im G80 mit optionalem Allradantrieb, also spitze ich den Stift und rechne nach. Unter acht Liter auf der Langstrecke, im Gesamtdurchschnitt 8,2 Liter. Damit liegen wir sogar unter der Werksangabe von 9,0 bis 9,3 Liter. Wohlgemerkt: 304 PS, Allrad.

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Was kostet er?

Auch beim Preis überrascht der G80 positiv: Ab 50.700 Euro geht es derzeit im deutschen Konfigurator los. Dafür gibt es den 2.5 RWD mit bereits ordentlicher Serienausstattung und fünf Jahren Garantie. “Unser” 2.5 AWD liegt mit quasi Vollausstattung bei knapp 75.000 Euro. Klingt viel, ist aber im Vergleich zur deutschen Konkurrenz ein Schnäppchen.

Die Lieferzeit für Bestandsfahrzeuge liegt derzeit bei 2-3 Wochen, individuelle Bestellungen dauern sieben bis acht Monate.

Fazit: 8/10

Der Genesis G80 ist ohne Frage die aktuell schönste Limousine der oberen Mittelklasse. Abzüge gibt es für das mäßige Platzangebot im Fond und den klanglich unausgewogenen Benziner. Dafür punktet er mit einem fairen Verbrauch. Und in Sachen Preis ist der G80 auch attraktiv gestaltet. 

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