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Alternative zum Neuwagen: Worauf Sie beim Kauf von gebrauchten E-Autos achten müssen

alternative zum neuwagen: worauf sie beim kauf von gebrauchten e-autos achten müssen

Stromer günstiger: Lange hinkte der Gebrauchtwagenmarkt für E-Autos hinterher, doch inzwischen steigt das Angebot.

Plötzlich war die Prämie weg: Eigentlich hätte es auch in diesem Jahr noch Geld vom Staat beim Kauf eines neuen oder gebrauchten Elektroautos geben sollen, doch der Umweltbonus wurde gestrichen, weil der Staat sparen muss. Nun rücken elektrische Gebrauchtwagen, die deutlich günstiger sind als ein E-Neufahrzeug, in den Fokus. Doch kann man beim gebrauchten Elektroauto beherzt zugreifen? Hier gibt es die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

alternative zum neuwagen: worauf sie beim kauf von gebrauchten e-autos achten müssen

E-Autos stehen in der Stuttgarter Innenstadt an Ladesäulen.

Wie findet man ein gebrauchtes E-Auto?

Auf Internetportalen wie mobile.de, autoscout24.de oder kleinanzeigen.de finden Interessenten mehr als 150.000 Stromerinserate – bei mobile.de selbst gibt es gut 80.000 Elektroautoangebote. Natürlich kann man auch Zeitungen und Zeitschriften durchstöbern oder sich bei Herstellern, Händlern und Leasingfirmen direkt umhören und umsehen.

Wie gut ist der Markt?

Das Angebot gebrauchter E-Autos wächst momentan. Als es noch die staatliche Förderung gab, wurden viele Elek­troautos geleast. Die kommen nun auf den Gebrauchtmarkt und haben noch nicht so viele Kilometer auf der Straße verbracht.

Nach Angaben des hessischen Kfz-Verbandes ist die Nachfrage bisher jedoch verhalten. Der Verband weist darauf hin, dass junge E-Autos robust seien und sich die Klimabilanz eines gebrauchten Stromers bessere, je länger er gefahren werde.

Wie viel muss man ausgeben?

Nach den Zahlen des Kfz-Landesverbandes kostete ein Gebrauchtwagen im vergangenen Jahr im Schnitt 42 Prozent weniger als ein Neuwagen, egal ob Verbrenner oder Stromer. So viel lässt sich jedoch nicht immer sparen.

Ein Autohändler in der Region zum Beispiel verlangt für einen schon einmal zugelassenen VW ID.3 Pro Performance (204 PS, 7200 Kilometer) 29.980 Euro. Der Grundpreis für das aktuelle Pro-Modell beträgt neu laut VW-Website 39.995 Euro.

Händler oder Privat – welche Verkaufsadresse ist besser?

Das muss der Kunde selbst entscheiden. Für den Kauf im Autohaus spricht die größere Sicherheit. Meistens, zumindest gegen Aufpreis, gibt es beim Händler nicht nur eine Gewährleistung, sondern auch eine Gebrauchtwagengarantie. Der Privatverkäufer muss bei einem Haftungsausschluss im Kaufvertrag nicht einmal eine Gewährleistung geben. Ein weiterer Vorteil: Auf dem Hof der Händler stehen meist mehrere E-Fahrzeuge, die man vor Ort vergleichen kann.

Welche Antriebskonzepte gibt es?

Auf dem Gebrauchtwagenmarkt finden sich laut ADAC zum großen Teil Hybride, also Verbrenner-Batterie-Kombinationen wie Plug-in-Hybride (die Batterie kann über einen Verbrennungsmotor und per Stecker geladen werden) oder Vollhybride (der Akku kann nur während der Fahrt mithilfe des Verbrenners und nicht über einen Stecker geladen werden) sowie reine Elektroautos aller Art.

Wie gut ist der Akku?

Der Akku ist beim E-Auto das teuerste Bauteil. Deshalb sollte der Gesundheitszustand der Batterie, der sogenannte State of Health (SoH), vom Verkäufer möglichst genau nachgewiesen werden, wie der ADAC Hessen-Thüringen empfiehlt. Er ist vergleichbar mit dem Batteriezustand des Handys, den man dort in den Einstellungen ansehen kann und der besagt, wie groß die Maximalkapazität (ausgehend vom Neuzustand) noch ist. Oft wird der Akku-Check des Autos in Herstellerwerkstätten über Protokolle und Eintragungen im Scheckheft dokumentiert, auf Knopfdruck einsehen kann man den Zustand nicht.

Kann man den Batteriezustand selbst auslesen?

Ja, für den Fall, dass keine Zustandsprotokolle vorliegen, gibt es Apps zum Auslesen wie etwa Aviloo. Doch das ist für den Laien nicht ganz einfach: Zunächst muss ein Testkit für 99 Euro bestellt werden. Ein mitgelieferter Verbindungsstecker wird eingestöpselt, ehe die App bei einer Testfahrt, bei der der volle Akku auf zehn Prozent Restreichweite gebracht werden muss, die Batteriedaten erfasst.

Bei einer normalen Fahrzeugbesichtigung ist das nicht zu realisieren. Das Kit muss nach der Verwendung zurückgeschickt werden. Die Auswertung der übermittelten Daten gibt es innerhalb von zwei Werktagen.

Einfacher ist es, wenn man die Hilfe von Fachleuten in Anspruch nimmt. Aviloo ist auch der Kooperationspartner des ADAC, der Batteriechecks ebenso anbietet wie Werkstätten oder Prüforganisationen wie die Dekra. Die Kosten für so einen Check liegen bei liegen bei circa 100 bis 150 Euro.

Gehen die Akkus schnell kaputt?

Erfahrungen zeigen, dass die Akkus länger halten, als man zunächst angenommen hatte. Der ADAC hat in vielen Dauertests festgestellt, dass die Antriebsbatterien bei den untersuchten Fahrzeugen auch nach einer hohen Laufleistung noch erstaunlich leistungsfähig waren.

Bei einem getesteten VW ID.3 zum Beispiel ließen sich nach mehr als 100.000 Kilometer Laufleistung noch 93 Prozent der ursprünglichen Akku-Kapazität nutzen. Generell gewähren viele Hersteller lange Garantien für die Antriebsbatterie – oft acht Jahre oder 160.000 Kilometer, wenn nicht sogar länger.

Was sind die Risiken beim Gebrauchtkauf?

Außer der Prüfung der Batterie, die das Herzstück der E-Autos ist, gelten die gleichen Regeln wie beim Verbrennerkauf. Der ADAC bietet im Internet aber auch Checklisten speziell zum E-Auto-Kauf an. Wichtig sind danach vor allem die Beleuchtung, Bremse und die Bereifung sowie der Check des Servicehefts und der Karosserie.

Bei der Probefahrt ist es laut ADAC ratsam, alle Fahrmodi auszuprobieren und genau auf die Stärke der Rekuperation zu achten. So bezeichnet man den Prozess, bei dem die Batterie wieder aufgeladen wird, wenn man Gas wegnimmt.

Ein Sonderfall sind Fahrzeuge mit gemieteten Batterien: Ihre Zahl sinkt zwar, weil es aus der Mode gekommen ist, einen monatlich festen Betrag für den Auto-Akku zu zahlen. Gleichwohl: Wer einen solchen Gebrauchten kauft, muss sich um den Mietvertrag kümmern – ihn übernehmen oder den Akku zum Restwert erwerben.

Gibt es einen guten Zeitpunkt für den Kauf?

Nach Angaben des ADAC Hessen-Thüringen ist das Frühjahr ein guter Zeitpunkt für Rabatte. Ein Fahrzeug, das bis zum Beginn der Sommerferien nicht verkauft werde, habe es auf dem Markt schwer, „da die Urlaubskasse oft nicht auch noch einen Autokauf ermöglicht und man das vorhandene Kfz eben weiter fährt“, schreibt der Verkehrsclub. Der Kfz-Landesverband empfiehlt, regelmäßig die Preise auf den Verkaufsplattformen zu beobachten und Newsletter von Händlern zu abonnieren, um auf dem neuesten Stand zu bleiben.

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