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Warten auf Tesla Model Y seit September 2021: Deutscher Kunde erzählt lange Geschichte

warten auf tesla model y seit september 2021: deutscher kunde erzählt lange geschichte

Bild: privat

Die Verkaufszahlen bei Tesla seien definitiv beeindruckend, würden aber sicher einen Dämpfer erhalten, wenn das Unternehmen sich nicht stärker um die Zufriedenheit seiner Kunden bemühe, schrieb ein Leser Anfang des Jahres mit einem Neujahrsgruß an teslamag.de – und damit sprach er wahrscheinlich vielen Kunden aus dem Herzen, die das Unternehmen mit Käufen oder ideell unterstützen, manche Praktiken aber zweifelhaft finden. Der Leser (s. Foto), der nach eigenen Angaben seit gut drei Jahren ein Model 3 fährt und mehrere neue Tesla-Käufer geworben hat, dürfte in mehrerer Hinsicht ein Extremfall sein. Doch Teile seiner Erzählung über mehr als zwei Jahre Warten auf ein Model Y könnten anderen Kunden bekannt vorkommen. Wir geben sie hier leicht bearbeitet wieder.

Was ein Tesla-Besteller erlebt hat

Die Bestellung mit der damals üblichen Anzahlung erfolgte, zunächst sehr euphorisch, am 28. Oktober 2020 im Tesla-Store Leipzig. Nach der Veröffentlichung der Europa-Daten für das Model Y wurde dann am 22. September 2021 der Leasingvertrag mit LeasePlan abgeschlossen. Das gleiche Prozedere, nur mit wesentlich kürzerer Bearbeitungszeit, hatten wir bereits mit unserem Model 3 erfolgreich absolviert.

Im zweiten Quartal 2022 bekam ich dann den ersten Anruf von Tesla. Dabei ging es um die baldige Lieferung meines Model Y und die Frage, ob ich es definitiv aus Grünheide oder aus Shanghai haben möchte. Ich entschied mich verbindlich für Grünheide. Dann war erst einmal Funkstille. Ich selbst hatte mir schon im ersten Quartal ein Versicherungsangebot gesichert und zwischenzeitlich mehrmals verlängert. Ab Juni 2022 stand ich gewissermaßen bereit.

In meinem Tesla-Account verschob sich das Datum der unverbindlichen Auslieferung immer mehr nach hinten. Als ich im September noch immer keinen verbindlichen Auslieferungstermin hatte, rief ich bei Tesla an, da ich Bedenken hatte, nicht mehr den vollen Umweltbonus zu bekommen, wenn sich die Auslieferung ins neue Jahr verschiebt. Zum damaligen Zeitpunkt hatte Tesla noch nicht zugesichert, bei Bestellung vor Jahresende und Auslieferung in 2023 den sinkenden Umweltbonus auszugleichen.

Farb-Wechsel für schnellere Lieferung

In dem Telefonat Mitte September erklärte der freundliche Tesla-Mitarbeiter, dass noch kein verbindlicher Termin genannt werden könne, weil Midnight Silver Metallic noch nicht ausgeliefert werde. Würde ich mich jedoch für die Standard-Farbe oder Solid Black entscheiden, stünde einer baldigen Auslieferung nichts im Weg. Nach kurzer Rücksprache mit meiner Frau habe ich erneut angerufen und die Farbe auf Solid Black ändern lassen. Dies wurde mir per Mail und aktualisiertem Fahrzeug-Bestellvertrag von Tesla bestätigt. Die restliche Konfiguration blieb, wie vereinbart, unverändert.

Stutzig wurde ich, als der Tesla-Mitarbeiter mitteilte, dass ich die Farbänderung nicht an LeasePlan melden müsse, da sich am Gesamtpreis nichts ändern würde. Da ich anderer Meinung war und die jeweilige Farbe im Fahrzeugbrief/Zulassung immer angegeben werden muss, habe ich vorsorglich am gleichen Tag meinem Sachbearbeiter von LeasePlan die Änderung per Mail mitgeteilt.

Schon einige Tage später kam tatsächlich der Anruf von Tesla, dass die Auslieferung kurz bevorstehe. Ich wurde gefragt, ob ich das Fahrzeug in den nächsten Tagen in Empfang nehmen könne. Ich war natürlich begeistert. Am 19. September erhielt ich von Tesla eine Rechnung, die ich zunächst an LeasePlan weiter geleitet habe, mit der Bitte, mir die Daten für die Anzahlung laut Leasingvertrag zu senden.

Tesla will plötzlich Geld haben

Ab jetzt wurde es richtig merkwürdig. Ich erhielt fast gleichzeitig wieder einen Anruf von Tesla mit der Aufforderung, umgehend den Gesamtpreis gemäß übersandter Rechnung zu bezahlen, damit der Termin zur Auslieferung verbindlich vereinbart werden könne.  Dies war jedoch zu keinem Zeitpunkt vereinbart worden. In zahlreichen Telefonaten mit Tesla und LeasePlan stellte sich dann heraus, dass der Tesla-Mitarbeiter nach dem Gespräch zur Änderung der Farbe einen völlig neuen (zusätzlichen) Bestellvorgang aktiviert hatte.

Auf meinen Namen waren jetzt also zwei Fahrzeuge bestellt!

Mein erster Gedanke war, dass damit der Auslieferung zumindest eines der beiden ja nichts mehr im Weg stehen würde. Dem war laut Tesla wegen einer Unterscheidung zwischen Gewerbeleasing und Privatleasing aber nicht so. Ohne mein Zutun stornierte Tesla meine ursprüngliche Bestellung vom Oktober 2020 und erstattete die Anzahlung. Mein Account wurde von Tesla gelöscht. Es erfolgten zahlreiche Gespräche, jetzt nur noch mit LeasePlan, die versuchten, mir mit diversen schriftlichen Anfragen bei Tesla zu helfen.

Ergänzend habe ich Anfang Oktober nochmals den Tesla-Store in Leipzig aufgesucht, in der Hoffnung, noch eine Klärung zu erreichen. Ein Mitarbeiter nahm sich der Sache an. Später teilte er per Mail mit, dass LeasePlan zuständig sei und ich die Daten dort aktualisieren lassen solle. Ich habe daraufhin LeasePlan als meinem verbliebenen Vertragspartner eine Frist zur Auslieferung gesetzt und schließlich, mangels Lieferung, den Leasingvertrag nach genau zwei Jahren zum 28. Oktober 2022 gekündigt.

Am 1. November 2022 bin ich erneut in den Tesla-Store in Leipzig gefahren, um verbindlich abzuklären, ob nicht doch noch ein Fahrzeug auf meinen Namen läuft. Da dies nicht der Fall war, habe ich am gleichen Tag wieder ein Model Y bestellt und als Privatleasing über die Tesla-Bank angemeldet; inzwischen war es schon 1500 Euro teurer geworden.

Warten auch auf nächstes Model Y

Seitdem werde ich mit nichtssagenden Aussagen hingehalten, dass der Termin der Auslieferung „in Kürze bekannt gegeben wird“ oder dass ich die App einrichten soll, was ohne VIN aber nicht geht. In einer Mail Anfang Dezember fragte Tesla an, ob ich das Fahrzeug noch 2022 haben wollte oder erst im nächsten Jahr. Was soll man dazu sagen? Natürlich wollte ich mein Model Y so schnell wie möglich und habe Termine entsprechend verschoben. Am 12. Dezember rief ich vorsorglich nochmals bei Tesla an und ließ mir bestätigen, dass alle notwendigen Daten von mir vorliegen. Mein Model Y habe ich aber immer noch nicht.

Ich habe hier nur die die wichtigsten Punkte benannt, da es ansonsten für Außenstehende noch schwieriger wird, den Kontext zu verstehen. Die Versicherung ist zwischenzeitlich schon mehrfach erhöht worden, selbst im Vergleichsportal. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, nach welchen Kriterien Tesla Bestellvorgänge abarbeitet. Bei diesem Fahrzeug habe ich für eine an sich lächerliche Bestellung insgesamt schon einige Tage an Zeit und Energie investiert, die nur mit großen Enthusiasmus für die Marke zu erklären sind.

Ich habe immer, seit dem Erwerb unseres Model 3, sehr freundliche und engagierte Mitarbeiter bei Tesla kennengelernt. Aber irgendwie ist bei bestimmten Abläufen der Wurm drin. Es geht mir nicht um Bashing einer aus meiner Sicht herausragenden Automarke. Aber was Tesla hier gegenüber Kunden veranstaltet, kann auf Dauer nicht ohne Folgen für die Verkaufszahlen bleiben.

Soweit die im Original mit Dokumenten belegte Schilderung unseres Lesers, die wir nicht im Detail überprüft haben. Streng genommen wartet er erst seit September 2021 auf das Model Y, weil es erst ab dann konkret in Europa bestellbar wurde – aber trotzdem sind mehr als 15 Monate Lieferzeit angesichts der aktuell guten Tesla-Verfügbarkeit in Europa zu lang. Wie der Leser schrieb, hatte sich bis diesen Donnerstag immer noch nichts am Status seiner neuen Bestellung geändert. Allgemein wird der Eindruck geduldiger Kunden und wohlmeinender Tesla-Mitarbeiter, die in manchen Situationen aber keine andere Wahl zu haben scheinen, als Besteller hängen oder im Ungewissen zu lassen, auch wiederholt in Beschwerden in sozialen Medien wiedergegeben. Die Redaktion hat Tesla um eine Stellungnahme zu den dokumentierten Erlebnissen des Lesers gebeten – aber, wie leider ebenfalls nicht unüblich, keine Reaktion darauf erhalten.

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