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VW T-Roc Cabriolet 1.5 TSI (2022) im Test: Hui oder Pfui?

Das offene SUV sorgt für Diskussionen. Das Facelift auch?

vw t-roc cabriolet 1.5 tsi (2022) im test: hui oder pfui?

Wenn die Schlange vor einer Eisdiele lang ist, muss sie gut sein. Oder liegt es daran, dass es bei 38 Grad schlicht keine andere in der Nähe ist? So ähnlich verhält es sich auch mit dem VW T-Roc Cabriolet. 2020 gestartet, sorgt es seitdem für Diskussionen. Ein offenes SUV! Besitzer eines Mazda MX-5 schicken Stoßgebete zum Gott Miata.

Was ist das?

Doch im ersten vollen Verkaufsjahr 2021 wurden in Deutschland 14.000 T-Roc mit Stoffverdeck neu zugelassen: Marktführer im Bereich Cabriolet. Nun gut, T-Roc geht immer gut und VW hat schlicht kein anderes Cabrio im Programm. Überhaupt sieht es für die Frischlüfter abseits von Audi, BMW und Mercedes ziemlich mau aus. Wie dem auch sei, analog zum normalen T-Roc hat im Frühjahr 2022 auch dessen offener Bruder ein Facelift bekommen.

Serienmäßig verfügt die Baureihe jetzt über LED-Scheinwerfer und abgedunkelte Heckleuchten. Optional gibt es LED-Matrix-Scheinwerfer samt einer beleuchteten Leiste im Kühlerschutzgitter sowie neu gestaltete Heckleuchten mit dynamischer Blinkerfunktion.

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Dazu gesellen sich neue Außenlackierungen, neue Felgendesigns von 17 bis 19 Zoll und eine “R-Line”, die sich jetzt noch mehr an dem optischen Auftritt des T-Roc R orientiert. Sie war bei unserem Testwagen verbaut, zudem der 150 PS starke 1.5 TSI mit DSG. Diesel gibt es nicht, dafür den 1.5 TSI auch mit manuellem Getriebe, ebenso beim 1.0 TSI mit 110 PS. Damit beginnt das T-Roc Cabriolet derzeit bei knapp 33.000 Euro.

Generell ist die Optik jetzt etwas “golfiger”, leider gilt das auch für den Innenraum. Statt echter Tasten gibt es fortan im Lenkrad, aber auch bei der Klimatisierung Touchflächen. Ihnen geht die haptische Rückmeldung ab, man drückt weniger präzise herum. Eine Verbesserung sieht anders aus. Persönlich fand ich zudem die bisherige Integration des mittigen Bildschirms, flankiert von Lüftungsdüsen links und rechts, gelungener. 

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Alles schlecht im T-Roc Cabrio? Mitnichten! Bei den verbauten Materialien hat VW spürbar einen Zahn zugelegt. Auch das optionale Digitalcockpit weiß zu gefallen. Richtig punkten kann der gut 4,28 Meter lange Wagen beim Platz. Satte 1,81 Meter Breite wollen zwar im Parkhaus sorgfältig rangiert werden, sorgen aber auf den vorderen Sitzen für ein fast opulentes Raumangebot. Im Fond geht es naturgemäß weniger üppig zu, doch eine Landpartie von vier Erwachsenen stellt keine Strafe dar. 

Und natürlich sitzt man hoch. Aber ist das ein Verbrechen? Für geplagte Bandscheiben sicherlich nicht. Konzeptbedingter Nachteil beim T-Roc Cabrio: Breite Türen, bei engen Parklücken nicht der Hit. Sind die Fensterscheiben oben, ist selbst Tempo 100 und mehr mit offenem Dach nicht unangenehm. Detail am Rande: Nach der Öffnung schaltet sich die Klimaanlage ab und die generelle Temperatur wird um 1,5 Grad erwärmt.

Zwar ist der Zugang zum Kofferraum recht klein, dafür sind 284 Liter ein anständiger Wert. Das Stoffverdeck nimmt hier keinen Platz weg, für längere Gegenstände sind die hinteren Lehnen umlegbar.  

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Gut 53 Kilogramm wiegt übrigens das Verdeck. Ein elektrohydraulischer Antrieb öffnet und schließt die Chose vollautomatisch. Beim Öffnen faltet es sich Z-förmig zu einem kompakten Paket hinter den Rücksitzen zusammen. Der Öffnungsvorgang, der über einen Zentralschalter auf dem Mitteltunnel oder optional über den Funkschlüssel gesteuert wird, ist nach neun Sekunden erledigt und auch in Fahrt bis 30 km/h möglich. Das Schließen dauert mit elf Sekunden kaum länger.

Wie fährt er sich?

Der Punkt “Fahreindrücke” kann recht kurz abgehandelt werden. Denn R-Line hin, 150 PS her: Ein Dynamiker ist das rund 1,6 Tonnen schwere T-Roc Cabrio nicht. Eher durchschnittlich. Nicht lahm, nicht schnell. 9,4 Sekunden auf 100 km/h und 203 Spitze belegen das. 

Wirklich störend ist die Anfahrschwäche des 1,5-Liter-Benziners. Motor und DSG müssen sich offenbar zunächst Guten Tag sagen, ehe sie gemeinsam zu Werke gehen. Dieser Eindruck sorgt aber dafür, dass sich das Aggregat subjektiv nicht nach 150 PS anfühlt. Also lieber den kleinen Dreizylinder mit 110 PS? Jein. Sollten Sie nämlich Automatik-Fan sein, geht nur der 1.5 TSI. 1.0 TSI mit DSG? Fehlanzeige.

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Zahlt sich wenigstens die Zylinderabschaltung des 1500ers an der Tankstelle aus? Ich rechne nach und komme auf 7,7 Liter im Schnitt. Wie war das noch mit durchschnittlich? VW selbst gibt 6,4 Liter kombiniert nach WLTP an.

Was kostet er?

Ganz und gar nicht Durchschnitt ist der Preis: Bei 39.050 Euro startet der 1.5 TSI R-Line mit DSG. Aber auf dem Begleitzettel unseres Testwagens knubbeln sich die Extras. Saftige 2.240 Euro für Leder, während die 19-Zöller namens Misano in Schwarz “nur” 490 Euro kosten. Den guten Komfort schmälern sie übrigens nicht.

Schmal wird eher das Konto des T-Roc Cabrio-Liebhabers bei Vollausstattung. 51.250 Euro sind eine Ansage. Dafür gibt es auch schon einen netten offenen 2er von BMW. 

Fazit: 7/10

Als Cabrio macht der VW T-Roc seine Sache gut und bietet viel Komfort offen wie geschlossen. Die hohe Sitzposition und viel Raum stehen auf der Habenseite. Abzüge gibt es für die teils fummelige Touchbedienung im Cockpit und die Anfahrschwäche des 1.5 TSI. Der Preis ist happig, aber ein neues Cabrio leisten sich auch keine Sparfüchse. Sollten sie doch einer sein, empfehle ich den Blick zum Vor-Facelift-Modell. Wer hier zugreift, fährt kaum schlechter. 

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