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Überarbeiteter BMW M135i xDrive (2022) im Test: Update geglückt

Das neue Gelb macht den Unterschied. Nein Quatsch, hier wurde wirklich am Fahrgefühl geschraubt

überarbeiteter bmw m135i xdrive (2022) im test: update geglückt

Herrje, ist das Gelb. Was ist das?

Was hier so fies ins Auge sticht, hat zehn Menschen in Leipzig einen neuen Job verschafft. Im dortigen BMW-Werk wurde nämlich die Lackiererei aufgebrezelt. Sie kann nun auch Individual-Lacke auf den 1er pinseln. Unter anderem das giftige Sao Paolo Gelb, das Sie hier bewundern dürfen.

Als große News in Bezug auf den überarbeiteten M135i xDrive wäre die kostspielige Erweiterung der Farbpalette allerdings ein wenig dünn. Und so sehen wir – nachdem sich der grünlich-gelbe Individual-Sprühnebel verzogen hat – dann auch recht schnell den eigentlichen Grund für die Modellpflegemaßnahmen am 1er-Topmodell.

So hundertprozentig zufrieden scheint man mit dessen Fahrwerksabstimmung nämlich nicht gewesen zu sein. Offenbar mangelte es der Gefühlsabteilung im Entwickler-Team an genau jenem. Unser Test aus dem Juli 2019 bestätigt das zumindest teilweise. Fährt jetzt nicht mehr wie der alte Hecktriebler-Hooligan, sondern eher wie die meisten anderen (Fronttriebler und Allradler) im Segment. Das war so der Tenor. Außerdem rupfte es wie verrückt in der Lenkung, die obendrein recht schwer, aber nicht besonders informativ agierte.

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Höchste Zeit für mehr Feeling also. Kann ja nie schaden. Dafür erhöhte man dem 135er jetzt an der Vorderachse die Sturzwerte, um “die Aufnahme von Querkräften bei sportlicher Kurvenfahrt zu optimieren”. Außerdem sind die vorderen Querlenker jetzt über ein neues Hydrolager angebunden. Auch die Längs- und die Querlenkerlager an der Hinterachse hat man sich nochmal genauer angesehen. Genau wie die Abstimmung von Federn und Dämpfern.

Daraus resultiert laut BMW ein spürbar verbessertes Wankverhalten in Kurven, von dem auch “das verbindliche Lenkgefühl bei sportlich ambitionierter Fahrweise” profitieren soll.

Und? Ist der M135i nun zum König der Einfühlsamkeit mutiert?

In gewisser Weise ist er das wirklich, ja. Gratulation ans ausführende Team. Und Chapeau für den Mut, einen eher sterilen, lenkstörrischen Speed-Roboter für etwas zu opfern, das womöglich etwas mehr Verve am Steuer erfordert, aber einem gefühlt 5x so viel Feedback in die Handballen diktiert.

Ich habe tatsächlich schon länger keinen Kompaktsportler mehr gefahren, der einem durchs Lenkrad (es ist noch immer viel zu dick) so genau gesagt hat, was da gerade an den Vorderrädern los ist. Respektive wie die Vorderräder an den eigenen gierigen Inputs zu leiden haben.

Tendenziell fühlt sich der neu abgestimmte 135er in engen Kurven weniger nach Allrad und mehr nach sehr gut gemachtem Fronttriebler an. Das ist an sich ja nicht verkehrt, auch wenn viele Kompaktsportler wie der Golf R oder der Audi RS 3 inzwischen spaßig hecklastig unterwegs sind.

Man merkt richtig, wie die Vorderachssperre schuftet und kriegt auch davon schöne Mengen auf den Lenkradkranz geschmiert. Obendrein ist das heftige Zerren in der Lenkung beim Herausbeschleunigen aus der Kurve immens reduziert worden. Untersteuern ist nach wie vor kein akutes Thema. Die Lenkung zählt zu den besten, die ich zuletzt von den Münchnern in die Finger bekommen habe.

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Gefühlt ist die Reaktion auf provozierte Lastwechsel am Heck weniger stark ausgeprägt als bisher, aber das trübt den Spaß in keinster Weise. Das großartige Feedback des Autos macht das mehr als wett.

Im Test vor ziemlich genau drei Jahren war es eine Schau, wie gut der schnellste 1er federte. Nicht weich, aber auch nicht bockig – einfach sehr satt, hochwertig und souverän. Mit der neuen Abstimmung (vielleicht auch, weil ich das Auto nun eine ganze Woche und nicht nur 2 Stunden bewegen konnte) fühlt es sich in Teilen etwas anders an.

Bei mittleren bis hohen Geschwindigkeiten gilt das, was bisher auch galt. Bei niedrigem Tempo jedoch wird der 35er über kurze Stöße und Wellen relativ ungemütlich, teilt auch im Comfort-Modus schon ganz ordentlich aus. Wer einen Kompaktsportler mit 306 PS kauft, wird dies aber vermutlich verschmerzen können.

Apropos 306 PS: Antrieb befriedigend?

Ja nun, am Antrieb selbst hat sich ja nichts geändert. War auch nicht zwingend nötig. Nach wie vor gibt es aus vier Zylindern und zwei Liter Hubraum angesprochene 306 PS und 450 Nm Drehmoment. Und nach drei Jahren hat die Zeit auch die allergrößten Sechszylinder-Wunden geheilt.

Erstens hilft es ja eh nix und zweitens macht es einem B48A20T1 (so das interne Motorkürzel) dann doch relativ leicht, ihn zu mögen. Mit der feinen Klinge, der leichtathletischen Eleganz des Dreiliter-Aggregats aus dem Vorgänger kann er zwar nicht aufwarten, aber das scheint ihn nicht im Ansatz zu jucken – er hält mit etwas ungehobelter Brachial-Ästhetik dagegen. Das ist im eigenen Empfinden nicht ganz so locker-flockig, aber genauso effektiv.

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Der Schub in allen Lagen ist deftig. Auch wenn der Aisin-Automat bei schwerem Ins-Gas-Latschen so seine liebe Mühe mit der zügigen Bereitstellung des richtigen Ganges hat. Wer selbst ins Schaltpaddle greift, wird jedoch mit sauberem und flottem Geschalte belohnt. Außerhalb der Rennstrecke ist das mehr als in Ordnung.

Was den Klang betrifft, heißt es einmal mehr: Je weniger außen noch erlaubt ist, desto mehr muss innen der Lautsprecher leisten. Über das Ergebnis lässt sich trefflich streiten. Mich hat es zumindest nicht sonderlich gestört, also alles gut.

Wie ist er innen?

Nicht anders als zuletzt. Das große Curved-Display aus 2er Active Tourer, dem neuen X1 und Konsorten wird erst mit dem “richtigen” Facelift des 1ers Einzug halten. Ansonsten würde ich mir nach wie vor wünschen, dass man sich im 1er, gerade in einem sportlichen Derivat, etwas eingebauter fühlen dürfte.

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Auf diesen Bildern sehen Sie übrigens den optionalen M-Sportsitz

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500 Euro Aufpreis, die sich absolut lohnen

Man sitzt minimal zu hoch, den Rest erledigt das Seriengestühl, das alles in allem als Enttäuschung durchgehen muss. In einem Auto mit einem “M” auf dem Heckdeckel hat ein zu kleiner “Sport”sitz mit topfebener Fläche und Lehne (ergo: ohne Seitenhalt) nichts verloren. Da sind die überschaubaren 500 Euro für den M-Sportsitz schlau investiertes Geld.

Der Rest des Interieur-Erlebnisses ist gewohnt gut, die Bedienung von Infotainment und Co. wie immer grandios. Auch das Head-up-Display (950 Euro) überzeugt.

Fazit: 7,5/10

BMW hat sein Versprechen gehalten und dem M135i xDrive wirklich wesentlich mehr Gefühl und Kommunikation in die Beine gezaubert. Zuletzt galt der kleine Fronttriebler-Bruder 128ti ja für viele als neuer BMW-Hot-Hatch-Liebling. Ich konnte das nach einer ersten Testfahrt nicht so recht verstehen und muss nach der Überarbeitung erst recht sagen, dass der 135er für mich das deutlich stimmigere (wenn auch wesentlich teurere) Gesamtpaket ist.

Es macht wirklich Spaß, ihn herumzuwerfen und mit ihm zu spielen. Da hat BMW tatsächlich entsterilisiert. DEn Alltag und die Langstrecke beherrscht er nach wie vor souverän. 68.460 Euro Testwagenpreis (der Grundpreis liegt bei 53.650 Euro) hören sich natürlich völlig absurd an. Aber ein VW Golf R oder ein Mercedes-AMG A 35 kosten ähnlich.

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