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Renault Arkana E-Tech 145 (2021) im Test

Schnittige Optik und trotzdem viel Platz. Guter Verbrauch, aber wenig Power ...

renault arkana e-tech 145 (2021) im test

Gehen Sie mal in sich und denken Sie darüber nach, wie viele Renault Arkana Sie seit der Markteinführung des Modells im März 2021 im öffentlichen Straßenverkehr gesehen haben. Einen? Zwei? Viele waren es sicher nicht, oder? Dabei hätte dieses Nicht-Premium-SUV-Coupé mit Vollhybrid-Antrieb eigentlich viel mehr Aufmerksamkeit verdient. Wieso dem so ist? Das klärt unser Test.

Was ist das?

SUV-Coupés waren lange Zeit ja eher ein Phänomen der Premiumhersteller. BMW schickte irgendwann den X6 ins Rennen und während sich so manche Kundschaft und auch andere Autobauer fragten, was dieser Quatsch denn soll, kamen nach und nach der BMW X2, der BMW X4, die Coupé-Varianten von Mercedes GLE und GLC und das eine oder andere Audi-Modell auf den Markt.

Renault sprang also auch auf diesen Zug auf und brachte den Arkana, der hierzulande auf dem Captur basiert. Etwas mehr als 4.600 Exemplare wurden im vergangenen Jahr seit dem Marktstart in Deutschland an Mann und Frau gebracht.

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Aber das französische Auto ist nicht nur in seiner Form modern. Auch unter dem 4,57 Meter langen Blechkleid (damit ist der Arkana sogar länger als der Kadjar) steckt viel Substanz. Beispielsweise der bereits erwähnte Vollhybrid-Antrieb, der das Modell in seinem Segment ziemlich einzigartig macht. Und genau in dieser E-Tech-Version waren wir nun die vergangenen zwei Wochen unterwegs.

Machen wir es uns aber erst einmal gemütlich. Von hinten nach vorne. Der Kofferraum fasst mindestens 480 Liter. Etwas weniger als bei den Modellen ohne elektrische Unterstützung aber immer noch gut. Trotzdem hätte das großzügige Ladeabteil etwas mehr Liebe zum Detail vertragen können.

Es gibt keine Haken, Ösen oder Steckdosen. Wenn Sie lange Gegenstände durchladen wollen, muss gleich ein großer Teil der Rückbank umgelegt werden. Und die Klappe – die nicht elektrisch ist – lässt sich nur schwer schließen. Darüber hinaus ist die Ladekante bei Fahrzeugen dieser Bauart sehr hoch.

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Trotz der nach unten abfallenden Dachlinie ist es dagegen wirklich beeindruckend, wie viel Kopffreiheit im Fond übrig bleibt. Selbst wenn sie groß sind. Auch die Kniefreiheit ist gut. In der Mittelkonsole der Rückbank befinden sich die Lüftungsdüsen der Klimaanlage und die Ladebuchsen. Passt.

Ab in die erste Reihe: Das Armaturenbrett des Arkana ist weniger aufregend als das äußere Design. Wenn Sie schon einmal in einem Captur gesessen haben sollten, werden Sie feststellen, dass so gut wie alle Elemente aus dem weniger schnittigen Modell übernommen wurden. Und das ist durchaus gut so.

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Der vertikale 9,3-Zoll-Touchscreen in der Mitte ist nach wie vor der unbestrittene Star. Hier kann sich der eine oder andere deutsche Autobauer in Sachen Funktionalität gerne mal eine Scheibe abschneiden.  Direkt darunter befinden sich eine Reihe von klavierähnlichen Tasten, mit denen verschiedene Funktionen aufgerufen werden können.

Auf der linken Seite des Lenkrads befindet sich eine weitere Leiste. Die Klimabedienung ist gut gemacht: In den Drehknöpfen befinden sich die entsprechenden Anzeigen. Vor dem Schalthebel befinden sich der Steckplatz für das kabellose Laden und drei Ladebuchsen.

Wie fährt er sich?

Jetzt aber ab auf die Straße: Der erste Eindruck? Der Arkana ist ein sehr angenehm zu fahrendes Auto. Renault kombiniert einen 1,6-Liter-Saugbenziner mit 94 PS und zwei Elektromotoren. Die Systemleistung wird mit 143 PS angegeben. Angetrieben werden nur die Vorderräder und die Kraft gelangt über ein Sechsgang-Automatikgetriebe (4 Gänge für den Verbrenner und 2 Gänge für die E-Motoren) dorthin. Nettes Detail: Das Getriebe verfügt über einen “B”-Modus für verstärkte Rekuperation. Dieses Feature ist bei vielen Herstellern die letzte Zeit irgendwie in den Hintergrund gerückt.

Bei dem E-Tech-System handelt sich um ein seriell-parallelen Antrieb, bei dem der Verbrenner die Räder antreiben, aber auch die 1,2-kWh-Lithium-Ionen-Batterie aufladen kann. Letztere ermöglicht es dem Arkana ganz kurze Strecken im entsprechenden EV-Modus vollelektrisch zurückzulegen. Schneller als 55 km/h sollten Sie dabei aber nicht fahren. Und das System muss auf einer gewissen Betriebstemperatur sein. Morgens früh schnell elektrisch die 300 Meter zum Bäcker und zurück rollen geht also nicht. 

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Die Leistungsentfaltung ist angesichts der insgesamt 143 PS – aber auch des unmittelbaren Drehmoments des Elektromotors – linear und gleichmäßig. Vom Getriebe ist jedoch ab und zu eine gewisse Unsicherheit zu spüren, wenn das Tempo erhöht wird oder wenn der Verbrenner abschaltet. Im Allgemeinen ist die Absprache zwischen den Antrieben aber gelungen. Und im Vergleich zu anderen Hybridfahrzeugen mit Gang-simulierenden Getrieben spielt der gefürchtete Gummibandeffekt nur eine sehr kleine Nebenrolle.

Noch ein paar kurze Kritik-Fakten: Die Sicht nach vorne? Gut. Nach hinten? Naja. Mit Parksensoren und einer Kamera gibt es aber keine Probleme. Der Federungskomfort mit der 18-Zoll-Felgen geht in Ordnung, nur bei tieferen Schlaglöchern wird es holprig.

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Die verschiedenen Lenkungsabstufungen sind angenehm und können ebenso wie die Motorleistung über die MultiSense-Programme verändert werden. In der Stadt ist das Comfort-Kennfeld angenehm. Der Sport-Modus sorgt hingegen für ein besseres Gefühl bei schnelleren Kurvenfahrten.

Obwohl sie es nicht übertreiben sollten, denn mit Frontantrieb, 1,5 Tonnen Leergewicht und dem hohen Fahrwerk und damit hohen Schwerpunkt treibt es den Arkana sehr schnell und schwankend an den äußeren Kurvenrand.

Auf der Autobahn hätten wir angesichts der aerodynamischen Formgebung übrigens etwas weniger Lärm erwartet. Aber gerade ab einem Tempo von über 130 km/h muss der Vierzylinder-Saugbenziner ganz schön ackern und ziemlich hoch drehen, damit noch irgendwie Power ankommt. Hier wird der Arkana wirklich sehr schwach auf der Brust. 

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Wie wirkt sich das alles auf den Verbrauch aus? Ziemlich gut. Trotz teils sportlicher Fahrweise und nicht gerade zimperlicher Herangehensweise auf der Autobahn und der Landstraße quittiert uns der Arkana am Ende unseres Testzeitraums 6,7 Liter/100km. Und mit nur ein bisschen mehr Gefühl im Gasfuß lässt sich dieser Wert ohne Probleme unter die 6-Liter-Marke drücken. Zusammen mit dem 50 Liter großen Kraftstofftank sorgt das zudem für eine ziemlich gute Reichweite.

Was kostet das?

Los geht’s bei Renault in der Arkana-Welt bei 28.650 Euro. Für das E-Tech-Modell aus unserem Test in der Ausstattungslinie Intens sind dann schon mindestens 32.650 Euro fällig. Dafür ist der Arkana so schon recht umfangreich ausgestattet. Klimaautomatik, Touchscreen und der digitale Tacho sind genauso an Bord wird die wichtigsten Fahrhelfer.

Trotzdem ist noch etwas Luft nach oben. Wir hatten noch ein Lederpaket für 1.490 Euro, das Bose Surround-System für 1.200 Euro, das City-Paket für 390 Euro, den Autobahn- und Stauassistent für 600 Euro und die Metallic-Lackierung auf der Aufpreisliste stehen. 37.220 Euro ergibt das in Summe. 

Wie sieht es da bei der Konkurrenz aus? Eine wirkliche Alternative mit Vollhybrid gibt es nicht. Der Citroën C4 hat aber einen ähnlichen Look. Er ist jedoch 20 Zentimeter kürzer und eine gute Ecke günstiger. Dann wäre da noch der Cupra Formentor, den es aber nur mit Stecker gibt und der deutlich teurer ist als der Renault. Bleibt noch der Hyundai Tucson, der zwar höher ist als der Arkana und ohne Coupé-Optik auskommen muss, der aber zu ähnlichen Preisen angeboten wird und auch als Vollhybrid erhältlich ist.

Fazit: 8/10 Punkte

Man sieht ihn so selten. Schade. Denn optisch würde er – vor allem in dem knalligen DeZir-Rot – für etwas mehr schicke Fröhlichkeit im Straßenverkehr sorgen. Dazu ist er auch noch praktischer, als es die Form auf den ersten Blick vielleicht vermuten lassen würde. Der Vollhybrid ist zudem eine gute Wahl, wenn Sie mehr auf den Verbrauch als auf die Fahrleistungen schauen. Dazu kommen die gute Verarbeitung des Innenraums, das umfangreiche Technikangebot und der – wie wir im Vergleich mit der Konkurrenz finden – faire Preis. Ein echter Geheimtipp. 

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