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Nachbau kommt auch als 70-Jahre-Sondermodell - Jaguar C-Type Continuation

Der originalgetreue Nachbau des C-Type durch Jaguar selbst ist schon etwas Besonderes. Jetzt gibt es davon aber noch zwei Sonder-Exemplare.

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Nachbau kommt auch als 70-Jahre-Sondermodell – Jaguar C-Type Continuation

Ende Juni 2022 hat Jaguar das erste Exemplar seiner C-Type-Continuation-Modelle ausgeliefert – also 70 Jahre nachdem ein C-Type am 29. Juni 1952 bei einem über 50 Runden (224 Kilometer) führenden Rennen im französischen Reims den Sieg geholt hatte. Bei der Farbgebung des nachgefertigten Renners hatten sich die Designer vom originalen Siegerauto inspirieren lassen: Es ist pastellgrün lackiert, die Farbe der Ledersitze heißt Suede Green. Jetzt stellen die Briten ein Sondermodell dieser ohnehin ganz besonderen Modelle vor. Mit der 70-Jahre-Edition feiert der Hersteller den Sieg des C-Type bei den 24 Stunden von Le Mans im Jahr 1953. Die Auflagenhöhe der Edition: zwei.

Das erste der beiden 70-Jahre-Exemplare ist in der Sonderfarbe Verbier Silver lackiert, die Ledersitze sind in Cranberry Red gehalten. Jaguar verspricht, diese Farbkombination nie wieder zu verwenden. Die zweite “70-Edition” ist vom siegreichen Auto von Tony Rolt und Duncan Hamilton inspiriert – dem C-Type XKC051. Er erstrahlt in der Werkteam-Farbe British Racing Green, sein Leder ist Suede Green gefärbt. Rolt und Hamilton waren die Ersten, die das Rennen mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von über 100 Meilen pro Stunde geschafft haben (105,85 mph – 170 km/h). Die Armaturentafeln, die silberfarben emaillierten 70-Jahre-Editions-Plaketten und die Autoschlüssel-Gehäuse fertigen die Juweliere von Deakin & Francis aus dem Material von 1953er-C-Type-Tanks. 1786 gegründet, ist Deakin & Francis der älteste Juwelier Englands.

Auch technisch ungenutzte Halterungen nachgeahmt

Jaguar verweist nochmal mit Freude auf die Detailverliebtheit, die seine Ingenieure und Mechaniker beim Nachbau des C-Type bewiesen haben. So haben sie beispielsweise auf alten Fotos an den Bremsflüssigkeits-Behältern angebrachte Halterungen entdeckt, die anscheinend für den Einsatz in anderen Modellen gedacht waren – im C-Type ergeben diese Halterungen keinen Sinn. Aus Authentizitätsgründen sind diese Halterungen trotzdem auch bei den Continuation-Modellen vorhanden.

Jaguar findet Gefallen an Continuation-Modellen

Jaguar hat an seinen sogenannten Continuation-Modellen großen Gefallen gefunden: Nachdem die Briten schon den E-Type Lightwight, den XKSS und den D-Type wieder aufgelegt haben, bauen sie jetzt acht Exemplare des C-Type in der Ausführung von 1953 nach. Dank seiner in einigen Punkten fortschrittlichen Technik heimste er unter anderem in Le Mans Erfolge ein – auch Stirling Moss konnte mit dem Auto Rennen gewinnen.

Bau nach Original-Unterlagen von 1950

Jaguar fertigt die C-Type-Nachbauten in Handarbeit. Für die Herstellung der einzelnen Bauteile haben die Ingenieure vorher originale technische Zeichnungen und die Aufzeichnungen des damaligen Jaguar-Cheftestfahrers Norman Dewis ausgewertet. Außerdem haben sie originale C-Type-Exemplare gescannt und die so gewonnenen Daten mit denen der Zeichnungen abgeglichen.

Windkanal und Scheibenbremsen

Bekannt war der seit 1951 gebaute C-Type vor allem für seine im Windkanal optimierte Form und kurze Zeit später auch für seine Scheibenbremsen, die ihm im Rennen enorme Vorteile verschafften. 1951 gewann das Modell die 24 Stunden von Le Mans noch mit Trommelbremsen, 1952 testete Jaguar dann im Rahmen der Mille Miglia Scheibenbremsen. Beim Grand Prix von Reims saß, wie schon bei der Mille Miglia, Stirling Moss am Steuer – und holte den weltweit ersten Rennsieg in einem Auto mit Scheibenbremsen.

Le-Mans-Sieg mit 220 PS

Das 1953er-Modell bekam weiterentwickelte Scheibenbremsen, die auf eine hohe Standfestigkeit ausgelegt waren. Der jetzt mit drei Weber-40DCO3-Vergasern anstelle von zwei SU-Vergasern (Sidedraft Vergaser) ausgerüstete 3,4-Liter-Reihen-Sechszylinder leistete 220 anstelle der ursprünglichen 200 PS. So gestärkt, erreichten die C-Type-Modelle bei den 24 Stunden von Le Mans die Plätze eins und zwei. Das Werks-Siegerteam Tony Rolt und Duncan Hamilton schaffte dabei erstmals einen Geschwindigkeits-Durchschnitt in Höhe von 100 Meilen pro Stunde (fast 161 km/h).

Altes Auto im Online-Konfigurator

Auch wenn Jaguar vom C-Type-Nachbau nur acht Exemplare herstellt, so kann ihn doch jeder, der Lust dazu hat, online konfigurieren – was für ein ursprünglich aus Anfang der 1950er-Jahre stammendes Auto etwas Besonderes ist. So kann der Fan zwischen zwölf zum Stil der Zeit passenden Lackierungen und acht verschiedenen Innenraum-Ausstattungen wählen. Als weitere Extras sind ein FIA-zertifiziertes Rückhalte-System und ein Überschlag-Schutz im Angebot. Jaguar betont, dass die nachgebauten C-Types ausdrücklich nicht in Garagen verstauben sollen, sondern für den Einsatz bei Klassik-Rennen und auf abgesperrten Rundkursen gedacht sind.

Britische Hersteller setzen Trend

Die Idee der Continuation-Modelle ist ein Trend, dessen Umsetzung moderne Technik wie beispielsweise 3D-Laserscans und 3D-Druckverfahren erleichtert. Besonders britische Hersteller legen jetzt ihre historischen Modelle wieder neu auf – wenn auch nur häppchenweise. So baut Bentley zwölf 4,5-Litre Blower von 1929 nach, Aston Martin legt den seltenen DB5 neu auf – sogar 25 mal. Fun Fact für James-Bond-Fans: Der von 007 in “Goldfinger” gefahrene DB5 war ein zum DB5-Prototyp umgebauter DB4 Serie V – das Serienmodell war zum Zeitpunkt der Dreharbeiten noch nicht fertig.

Auch kleine Hersteller mit neuen historischen Autos

Auch kleine britische Hersteller können der Verlockung nicht widerstehen, aus ihrer Geschichte noch ein bisschen Geld zu machen. So baut Vanwall sein Formel-1-Markenweltmeister-Auto von 1958 sechsmal nach. BRM (British Racing Motors) fertigt drei Exemplare seines von 1950 bis 1953 gebauten 16-Zylinder-Formel-1-Wagens Type 15 nach – obwohl das Auto bis heute als einer der größten Flops der Formel-1-Geschichte gilt. Und beim Nachbau seines C-Types ist Jaguar nicht allein: Bereits vergangene Woche hat das schottische Rennteam Ecurie Ecosse angekündigt, sieben C-Type nachzubauen. Vor 70 Jahren lieferte Jaguar Ecurie-Ecosse-Fahrer Ian Stewart seinen C-Type – und zur Feier dieses Moments legt der Rennstall diese kleine Serie an Tribute Cars auf. Jedes Auto soll eines der originalen Autos spiegeln, also dessen Zwilling sein.

Preis zwischen einer und zwei Millionen Pfund

Jaguar will die ersten C-Type-Nachbauten 2022 ausliefern. Den Preis gibt der Hersteller aktuell nur sehr grob an: Ein Exemplar soll zwischen einer und zwei Millionen Pfund (aktuell umgerechnet zirka 1,13 bis 2,26 Millionen Euro) kosten. Der C-Type ist ein Rennwagen und hat in Europa keine Chance auf eine Straßenzulassung – in einigen Ländern außerhalb der EU ist eine Straßenzulassung laut Hersteller zumindest nicht von vornherein ausgeschlossen.

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