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Mercedes GLB 250 4Matic (2022) im Test: Der SUVan

Machen bis zu sieben Sitze und 1.800 Liter Kofferraum den GLC überflüssig?

mercedes glb 250 4matic (2022) im test: der suvan

Es ist ein Jammer: Vans sind ziemlich praktisch, aber leider auch ziemlich tot. Dennoch gibt es noch immer eine Kundschaft, die gerne bis zu sieben Sitze und viel Platz hat, ohne gleich einen VW Multivan kaufen zu müssen.

Das wissen natürlich auch die Hersteller. Sie versuchen seit geraumer Zeit, das eigentliche Van-Konzept in andere Formen zu gießen. Hier der Dacia Jogger im Kombi-Gewand, dort der Mercedes GLB im SUV-Frack. Er quetscht sich in die Nische zwischen GLA und GLC, zielt aber auf den BMW 2er Gran Tourer respektive den neuen X1. Kann das funktionieren?

Was ist das?

Anders formuliert ist der GLB (den es inzwischen auch als rein elektrischen EQB gibt) das geräumigere Pendant zur B-Klasse. Das zeigt schon der interne Code: X 247 versus W 247. Blicken wir auf die Abmessungen: 4,63 Meter Länge treffen auf 1,83 Meter Breite und einen Radstand von 2,83 Meter. Das sind zehn Zentimeter mehr Abstand zwischen den Achsen als bei der B-Klasse.

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Und fast das Niveau des GLC. Um diesem nicht gefährlich nahe zu kommen, wuchs der neue GLC in der Länge auf jetzt 4,72 Meter. Optisch wirkt der GLB eher praktisch denn aufregend, in meinen Augen schwingt beim Design etwas vom seligen GLK mit. Aber trotz glänzendem Unterfahrschutz empfinde ich den Testwagen als brav, was aber auch an der weißen Lackierung liegen mag. 

Das ist nicht einmal böse gemeint. Wo heute jedes neue Auto zum Lifestyle-Pseudo-Ferrari hochgeschrieben wird, freut man sich über die guten Sicht- und Platzverhältnisse beim GLB. Angenehmer Einstieg, hohe Sitzposition. Viel Luft über dem Kopf, auch links, rechts, mittig für die Arme. Geradezu enorm ist die Beinfreiheit in der zweiten Reihe, wo eine längs verschiebbare Rückbank für weitere Pluspunkte sorgt. Leider kostet sie 428 Euro Aufpreis.

Die dritte Sitzreihe fehlte in unserem Testwagen, vermisst haben wir sie nicht. Mercedes sagt, dass die beiden zusätzlichen Einzelsitze für Personen bis 1,68 Meter Körpergröße ausreichen. Wer also viele Kinder/Enkel hat, sollte zugreifen und die zusätzlichen 1.416 Euro investieren.

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Vierstellige Investitionen erfordert auch die großflächige Verbildschirmung des Cockpits. Zweimal 10,25 Zoll sind es dann, zudem je nach Gusto auch ein Head-Up-Display. Digitaler Overkill? Keine Angst, wir sitzen nicht in einem Mercedes EQS. Die Bildschirme sind relativ dezent, die Sprachbedienung des MBUX-Systems reagiert gut. 

Natürlich hat man die komplette Bedienung des GLB nicht nach 30 Sekunden drauf, aber Mercedes verdient sich Lob für die Mischung aus klassischen Tasten und zwei Touch-Elementen im Lenkrad. Eine gute Rückmeldung liefern beide Lösungen, nach etwas Eingewöhnung laufen Drücken und Wischen wie geschmiert.

Wie fährt er sich?

Jetzt aber den kleinen Automatik-Wählhebel an der Lenksäule auf D gestellt und los geht es. Ein 8-Gang-Doppelkupplungsgetriebe leitet die Kraft des 2,0-Liter-Reihenvierzylinders an alle vier Räder weiter. Wer nicht zwingend Allrad braucht, spart etwa 2.200 Euro ein.

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250 steht am Heck und Oldtimer-Fans wie ich denken da natürlich an die seligen Sechszylinder zurück. Im GLB sind es aber wie erwähnt nur vier Zylinder, die unter Volllast angestrengt wirken. 224 PS samt 350 Newtonmeter maximales Drehmoment ab 1.800 U/min machen sich auf dem Papier gut. Doch diese Werte inklusive der offiziellen 6,9 Sekunden auf 100 km/h vermitteln sich dem Fahrer nicht so souverän wie gedacht.

Einen Anteil daran hat das bisweilen betuliche 8-Gang-Doppelkupplungsgetriebe. Vor allem aber die fast 1,7 Tonnen Leergewicht des GLB 250 4Matic. Diese Masse spürt man im Alltag oft, zudem ist der Wagen auch kein Muster an Wendigkeit. 

Verbrauch und Preis

Umso erstaunlicher ist der Sparwille des 250ers, der im Eco-Modus kaum Einschränkungen bietet und etwas Rekuperation ermöglicht. Mit viel Langstrecken-Anteil ermöglicht der 60-Liter-Tank bis zu 800 Kilometer Reichweite. Unser Testverbrauch: Ziemlich exakt acht Liter, was auch der Werksangabe entspricht. Punktlandung und respektabel mit Blick auf Leistung respektive Gewicht. 

Ihnen genügen auch weniger als 224 PS? Kein Problem. Den Mercedes GLB gibt es als Benziner zwischen 136 und 306 PS, die Diesel rangieren zwischen 116 und 190 PS. Ein Plug-in-Hybrid ist nicht im Programm, dafür der eingangs erwähnte EQB. 

Und was kostet der 250er mit Allrad? Wie immer bei Mercedes eine Stange Geld: Los geht es bei exakt 50.027,60 Euro. Optionen gibt es zur Genüge, sodass auch eine 6 als erste Ziffer machbar ist. Der gute Stern war und ist eben teuer. Mein Tipp: Weniger Motor, mehr Extras.

Fazit: 8/10

Der Mercedes GLB 250 4Matic überzeugt vor allem durch sein enormes Platzangebot. Er ist quasi der Van für alle, die optisch keinen Van wollen. Ob es der durchaus sparsame 250er-Benziner muss, ist eine Frage des persönlichen Geschmacks und Geldbeutels. Meine Meinung: Schauen Sie sich den GLB als SUV-Geheimtipp einmal an. Ob er nämlich einen Nachfolger bekommt, steht in den (Mercedes)-Sternen.        

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