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Ferrari 296 GTB im Test: Der neue V6-Hybrid aus Maranello

Nach fast 50 Jahren kehrt der Sechszylinder zurück in einen Ferrari. Mit 830 PS. Das hat mit Nostalgie nicht viel zu tun ...

ferrari 296 gtb im test: der neue v6-hybrid aus maranello

Anmerkung der Redaktion: In einem weltweit agierenden Netzwerk schickt man natürlich welche Kollegen zu einem so traditionsreichen italienischen Autobauer wie Ferrari? Natürlich die italienischen Kollegen selbst! Und diese hatten nun die exklusive Möglichkeit, den neuen Ferrari 296 GTB zu fahren. Es folgt deshalb nun der aus dem italienischen ins deutsche übersetzte Artikel zum kleinen SF90. Oder sollten wir “kleinen SF90” lieber nicht sagen?!

Der V6-Motor kehrt zurück in ein Fahrzeug aus Maranello. Seit fast einem halben Jahrhundert war das nicht mehr der Fall. Aber wer glaubt, es handele sich nur um einen Nostalgieeffekt, der irrt gewaltig: Der neue Ferrari 296 GTB projiziert sich und die Marke in eine technologische wie emotionale Zukunft. Und diejenigen, die das neue Modell bereits als den “kleinen SF90” bezeichnet haben, sollten noch einmal darüber nachdenken …

Der Begriff “klein” wird in diesem Test nicht verwendet, denn es gibt wirklich nichts, was kleiner wurde. Außer vielleicht die Gesamtabmessungen. Der 296 GTB ist ein sehr kompakter und leichter Ferrari. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass er der erste Plug-in-Hybrid-Sportwagen aus Maranello ist, der nur über Hinterradantrieb verfügt und insgesamt 830 PS leistet. In Anbetracht dieses Potenzials, hat uns Ferrari nach Andalusien mitgenommen wo es beeindruckende Straßen und eine Rennstrecke gibt, die Geschwindigkeiten von bis zu 280 km/h erlaubt.

Äußeres

In natura überrascht der 296 GTB durch seine sehr kompakten Abmessungen, aber auch durch die Raffinesse seiner Linienführung, die von Effizienz bis zu Dynamik reicht und dabei wichtige Bezüge zur Vergangenheit herstellt.

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Centro Stile Ferrari scheint die Grenzen des Konzepts der Mittelmotor-Berlinetta neu definiert zu haben. Die visierartige Architektur der Kabine passt gut zur glatten, konisch zulaufenden Frontpartie, in der die tropfenförmigen Scheinwerfer mit dem einteiligen Kühlergrill in der Mitte hervorstechen. Der untere Teil bietet Platz für eine aufgehängte Kohlefaserflosse, die eindeutig aus der Formel 1 stammt.

Wenn wir schon beim Thema Rennsport sind, dann ist beim Anblick des Hinterteils des 296 GTB der Hinweis auf den fabelhaften 250 LM ein Muss. Das abgeschnittene Heck, die weit gewölbten Radkästen und die markante B-Säule machen diesen Blick auf den GTB einzigartig und die Sache wird noch intensiver, wenn die LED-Lichtgruppen ins Blickfeld geraten.

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In einem solch durchdachten Kontext fügt die zentrale Abluftöffnung eine gewisse Frechheit hinzu, da ihre Positionierung seitlich mehr Platz für die Kühlungsgitter und den auffälligen Abzug direkt darunter lässt. Das Design der serienmäßigen Räder ist recht skulptural, aber mit den optionalen Carbonfelgen (die eine Gewichtsreduzierung von 8 kg ermöglichen) wird die Sache leichter.

Innenbereich

Abgesehen von der bereits gelobten Ergonomie verwendet die Kabine des 296 GTB die gleiche Schnittstelle wie die des SF90 Stradale, wobei die digitalen Instrumente des Fahrers fast vollständig über das Touchscreen-Lenkrad gesteuert werden. Der Beifahrer kann die vor ihm liegenden Funktionen über einen übersichtlichen und intuitiv zu bedienenden Touchscreen steuern.

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Das Innendesign ist minimalistisch, aber reich an hochwertigen Oberflächen, mit mehreren Verweisen auf die Vergangenheit. Wie zum Beispiel die prächtige Reproduktion des verchromten Kühlergrills, der jetzt für das DCT-Getriebe vorgesehen ist.

Antrieb

Gibt es den “endgültigen” Ferrari? Vielleicht, aber das Beeindruckende am 296 GTB ist die Geschwindigkeit, mit der der Fahrer einen heckgetriebenen Supersportwagen mit beeindruckenden 830 PS in den Griff bekommt.

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Wenn die Leistungsdaten auch beim zweiten Lesen noch beeindruckend sind, so ist die Selbstverständlichkeit, mit der man mehr als nur “schnell” fahren kann, noch verblüffender. Das liegt an einer Mischung von Merkmalen, die das Handling zum Vergnügen machen: ein niedriger Schwerpunkt, ein geringes Gewicht (1.470 kg beim Assetto Fiorano, davon 59,5 % auf der Hinterachse), reduzierte Überhänge und eine Ergonomie, die sofort eine physische und dauerhafte Verbindung mit der Lenkung und den Pedalen erlaubt.

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Die Progression des Motors auf der Strecke macht es unnötig, diese zusätzlichen zwei Zylinder zu wollen. Der Sound ahmt zwar nicht die vollmundigen V6s der Vergangenheit nach, aber er befriedigt immer noch mit Intensität und Seele. Das 8-Gang-DCT-Getriebe, das wie beim SF90 perfekt auf diesen Plug-in-Hybridantrieb abgestimmt ist, lässt keine Unsicherheiten bei der Leistungsentfaltung aufkommen. Und der Drehzahlmesser lässt keinen Moment nach.

Der MGU-K2-Elektromotor steuert übrigens 167 PS (oder 122 kW) zu den oben erwähnten magischen 830 PS bei. Gespeist von einem lasergeschweißten 80-Zellen-Hochvolt-Akkupack mit einer Kapazität von 7,45 kWh, welches sich in der Bodenwanne befindet.

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Auf der Strecke hielt die Spitzenleistung von 830 PS während unserer gesamten Session an, die wir mit dem e-Manettino im Qualifying und dem klassischen Manettino im CT-OFF fuhren. Wenn es Ihnen nicht um Leistung geht, lohnt es sich von “Qualify” auf “Performance” zu wechseln. Die Akkulaufzeit erhöht sich, während die negative Leistungslücke je nach Fahrbedingungen maximal 40 PS weniger betragen wird.

Auf jeden Fall wird das Bremssystem immer über den Erwartungen liegen. Und das verdankt man dem Debüts eines neuen Systems, das ab der Race Map eingreift. Dank des ABS EVO können Sie auch in Kurven präzise bremsen, was bei einem Straßenauto sehr selten ist.

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Sobald die Rennstrecke zugunsten der Straße verlassen wird, übernimmt die große Benutzerfreundlichkeit des 296 GTB die Oberhand. Mit einem vorsichtigen Tempo ist die elektrische Reichweite immer ausreichend. Was die Leistung des Antriebsstrangs und den Kraftstoffverbrauch verbessert. Ganz zu schweigen davon, dass es sich als ungewöhnlich, aber lohnend erwiesen hat, mit einem Ferrari in völliger Stille durch die Innenstädte zu fahren.

Wissenswert

Es ist zwar schon eine Weile her, dass wir von einem V6 gehört haben, aber das bedeutet nicht, dass dieser Antriebsstrang nicht schon immer eines der “Schlachtrösser” von Ferrari gewesen ist.

In Maranello spielte der V6 bereits 1957 im Dino 156 F2 die Hauptrolle. Damals noch in der 65°-Konfiguration. In den folgenden Jahren machte der V6 Ferrari überall groß. Auf der Straße mit dem Dino 246 GT, auf der Rennstrecke mit zahlreichen Sport- und Einsitzern und sogar im Rallyesport … dank des Lancia Stratos, der bekanntlich von einem Ferrari-Motor angetrieben wurde.

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Und heute wird die Tradition aus dem Jahr 1973 fortgesetzt, als der V6-Motor dem 8-Zylinder weichen musste. Und zwar bei eben diesem 296 GTB. Heute hat das V des Motors allerdings einen Winkel von 120°. Um die beiden IHI-Turbolader im Inneren unterbringen zu können. Von den 830 PS, die der GTB vorweisen kann, stammen gut 663 aus diesem effizienten Verbrennungsmotor, was angesichts von 221 PS/Liter schon auf dem Papier ein gutes Ergebnis ist. Kurz gesagt, eine Rückkehr zum V6… für die Rekordbücher!

Preis

Die Liste der Zubehörs ist immer ein faszinierender Anziehungspunkt für jeden potenziellen Ferrari-Kunden. Und der 296 GTB bildet da keine Ausnahme. Die Sonderausstattungen des Wagens werden durch ein spezielles Schild angekündigt, das beim Öffnen des (großen) vorderen Kofferraums sichtbar wird.

Ohne Berücksichtigung der Optionen beginnen die italienischen Preise für den Ferrari 296 GTB bei 269.000 Euro, während die Latte für den Assetto Fiorano bei 302.000 Euro liegt. Der Unterschied ist durch eine spezifische, auf die Rennstrecke ausgerichtete Ausstattung (-15 kg Gesamtgewicht) gerechtfertigt, die sich auf der schnellen Runde in Fiorano um eine halbe Sekunde gegenüber dem serienmäßigen 296 GTB verbessert.

Das Assetto Fiorano-Paket umfasst fest einstellbare Multimatic-Dämpfer, Titanfedern, hochbelastbare Carbonfaser-Anbauteile am vorderen Stoßfänger, die eine um bis zu 10 kg höhere vertikale Belastung bieten, sowie eine spezielle, vom 250 Le Mans inspirierte Lackierung, die nur für diese Variante erhältlich ist.

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