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Ein Eichenrieder Mustang fegt durch Europa

Ein Eichenrieder Mustang fegt durch Europa

Franz Aschenbrenners Reiseplan für 2023: Skandinavien, Frankreich und das Rennen vor 60000 Zuschauern in Hockenheim.

Eichenried – Die Vorbereitungen für ein Rennen dauern Wochen. Die Anfahrt ist auch nicht immer einfach. Und manchmal fällt das Event sogar komplett ins Wasser. Und das alles für acht schnelle Sekunden? Naja, acht sehr schnelle Sekunden. Denn Franz Aschenbrenner bringt seinen Ford Mustang innerhalb von 400 Metern auf 285 km/h. Denn das ist der Reiz beim Drag Racing, dem Beschleunigungsrennen auf der Viertelmeile, in das sich der einstige Eichenrieder Motorradrennfahrer und mehrfache Erdinger „Sportler des Jahres“ verguckt hat. Sein Ford Mustang Mach 1 bringt 1350 PS auf die Strecke. Damit die Autos überhaupt zu steuern sind, bestehen die Rennstrecken aus einer Gummischicht mit Kleberüberzug. „Auf normaler Straße würden sonst die Reifen durchgehen“, erklärt Aschenbrenner. Die Super Pro ET, für die Aschenbrenner an den Start geht, ist die kostengünstigere Variante des Rennsports und für den hauptberuflich als Projektleiter tätigen Rennfahrer wenigstens einigermaßen finanzierbar. Eine schwierige Saison liegt hinter ihm. Zwar fand 2022 nach zwei Jahren Zwangspause wieder eine internationale Meisterschaft im Drag Racing statt. Doch Aschenbrenner konnte nur drei Rennen bestreiten, gewann eines davon. Aber das ist nicht der einzige Grund, warum sich Aschenbrenner auf die neuen Herausforderungen freut. Wir sprachen mit ihm.

Herr Aschenbrenner, warum nahmen Sie 2022 nur an drei Rennen teil?

Das waren vor allem finanzielle Gründe. Da wir privat viele Ausgaben hatten wie zum Beispiel die Renovierung des Hauses war das Budget knapp. Das war aber im Grunde auch so geplant, nach der Pause hat sich technisch auch einiges getan.

Zum Beispiel?

Das Auto wird nochmals an das Reglement angepasst. So muss der Gitterrohr-Rahmen geändert und ein neuer Unterboden eingepasst werden. Ansonsten wird sich am Auto nichts ändern. Während der coronabedingten Pause haben wir ohnehin alles auf Vordermann gebracht und auch den Motor komplett neu aufgebaut. Somit waren einige Test-Rennen sicher nicht die schlechteste Idee, um alles in den Griff zu bekommen und wieder eine gewisse Routine zu entwickeln. Jetzt laufen die Planungen für die neue Saison.

ein eichenrieder mustang fegt durch europaFoto © Privat

Wo werden wir den Mustang sehen?

Geplant ist in dieser Saison eine große Tour nach Skandinavien mit einem Rennen in Norwegen und direkt im Anschluss in Schweden. Die bewährte Strecke in Rivanazzano – das ist in der Nähe von Genua – ist seit Corona nicht mehr auf dem gewünschten Niveau. Deshalb müssen wir Fahrer uns nach Alternativen umsehen.

Und wo liegen die?

Aktuell eben nur im Norden. Oder noch in England. Leider ist es seit dem Brexit nicht mehr so einfach, auf die Insel zu fahren. Es wird ein Carnet benötigt, also ein mehrseitig geheftetes Zolldokument. Und dann stehst du dann ewig an der Grenze bei der Abfertigung. Hoffentlich wird hier bald eine bessere Lösung gefunden. Ansonsten stehen noch Rennen in Frankreich sowie das Heimrennen Ende August in Hockenheim bei den Nitrolympx auf dem Programm.

Die Saison wird nicht günstig werden.

Allein die Tour nach Skandinavien kostet uns knapp 4000 Euro an Diesel, Maut, Fähre, etc.. Leider haben wir aktuell trotz der vielen Erfolge keinen Sponsor, der uns finanziell unterstützt. Es wäre schon super, wenn sich eine Firma finden würde, die uns zumindest den Diesel für die Reise bezahlt.

Jeder Athlet sucht Sponsoren. Was, denken Sie, macht Ihr Sport für den Sponsor attraktiv – zumal ja sehr viel Sprit rausgeblasen wird?

Das Thema Klimaschutz spielt natürlich auch bei uns eine Rolle, obwohl Motorsport mit Verbrennungsmotoren für außenstehende wahrscheinlich nicht mit Klimaschutz zusammenpasst. Jedoch, denke ich, kann man im Alltag deutlich mehr sinnvoll dazu beitragen als bei einem Hobby, das man nur drei Monate im Jahr ausüben kann. Viele Teilnehmer fahren ohnehin mit Methanol oder Ethanol, also mehr oder weniger reinem Alkohol – sozusagen Biosprit. Unser Renntransporter zum Beispiel ist obendrauf voll mit Photovoltaik, wir sind komplett autark, wenn wir unterwegs sind. Attraktiv macht den Sport definitiv die Action, der Sound der V8-Motoren mit großem Hubraum. Und es ist ein Sport zum Anfassen für die Zuschauer.

Wie denn das?

Man kann als Zuschauer bei allen Rennen direkt ins Fahrerlager und die Autos sowie Fahrer sehen. Aber das Wichtigste bleibt die Geschwindigkeit: In keinem Sport der Welt wird schneller beschleunigt als im Drag Racing. Dass das Zuschauerinteresse nach wie vor ungebrochen ist, zeigen die Zuschauerzahlen. Nach Hockenheim kommen jedes Jahr 60 000 Menschen.

Aber Sponsor beim Drag Racing zu sein bedeutet ja: Da muss man mehr tun als mal einen Satz Trikots kaufen.

Bei uns gibt’s für alle Budgets Möglichkeiten. Wir haben für die Sponsoren verschiedene Pakete: vom kleinen Aufkleber bis hin zum Hauptsponsor. Auf dem Rennwagen sind jedenfalls noch Flächen für Sponsoren frei. Ganz ehrlich: Man steckt das ganze Jahr über viel Geld und Herzblut in diesen Sport, bringt Opfer und steckt im Privatleben zurück. Es wäre schön, einen Finanzpartner an der Seite zu haben, um nicht alles aus eigener Tasche finanzieren zu müssen. Am Erfolg kann es nicht liegen, ich habe seit meinem Einstieg 2016 schon einige Rennen gewonnen, und sogar die europaweit ausgetragene Meisterschaft konnte ich bereits in meinem dritten Jahr gewinnen.

Sie sind also Europameister?

Es ist keine offiziell von der FIA, also dem Weltverband des Automobilsports, ausgeschriebene Meisterschaft, sondern eine privat organisierter. Daher gibt es den Titel Europameister offiziell nicht, auch wenn es durchaus so anzusehen ist. Die Fahrer kommen ja aus ganz Europa zu den Rennen. Und es ist mein Ziel für 2023, den Titel nach Bayern zurückzuholen.

Gibt’s einen Rennkalender?

Ja den gibt es, allerdings ist es in dieser Meisterschaft so, dass vier Rennen zur Meisterschaft zählen. Wenn man mehr fährt und somit natürlich bessere Chancen hat, gute Resultate einzufahren, werden die schlechtesten Rennen gestrichen und zählen nicht zur Meisterschaft. So wird gewährleistet, dass Fahrer nicht unbedingt durch ganz Europa fahren müssen, um teilzunehmen. Wenn man sich zum Beispiel vorstellt, ein Fahrer aus Spanien oder Italien muss nach Finnland zum Rennen, ist das für 90 Prozent der Fahrer nicht mehr machbar, daher diese Regelung.

Aschenbrenner Rennplan

24./25.Juni: Clastres (Frankreich)

29./30.Juli: Clastres

3. bis 6. August: Gardemoen (Norwegen)

10. bis 13. August: Tierp (Schweden)

25. bis 27. August: Hockenheim

8. bis 10. September: Rivanazzano (Italien)

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