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Audi A8 L 60 TFSI quattro (2022) im Test: Luxus und Leistung

Was hat das Facelift dem längsten Audi gebracht?

audi a8 l 60 tfsi quattro (2022) im test: luxus und leistung

Wie definiert man Luxus? Dinge kaufen, die man eigentlich nicht braucht, aber einen begeistern? Zeit für sich? Dann ist der kürzlich überarbeitete Audi A8 tatsächlich Luxus. Und zwar vor allem in der Langversion, die Kanzler, Minister und Manager als rollendes Büro nutzen. Verringert das Facelift den Abstand zur neuesten Mercedes S-Klasse? Wir sind den A8 L als 60 TFSI quattro gefahren.

Was ist das?

Im Modellportfolio von Audi spielt der A8 seit 1994 als Nachfolger des Audi V8 die Rolle der Speerspitze der Marke im Segment der Luxuslimousinen. Die vierte Generation hatte die Marke anno 2017 vorgestellt.

Radikal fällt das Facelift nicht aus, auffällig ist jedoch das den internationalen Märkten geschuldete Plus an Lametta: Die Basis des Singleframe-Grills ist breiter geworden, verchromte Winkel, die von unten nach oben immer größer werden, zieren sein Gitter. Die seitlichen Lufteinlässe sind aufrechter angeordnet und ebenso neu gezeichnet wie die Scheinwerfer, deren unterer Abschluss im äußeren Bereich eine markante Kontur erzeugt.

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Am Heck dominieren breite Chromspangen, eine individualisierbare Signatur des Schlusslichts mit digitalen OLEDs sowie ein durchgängiges, segmentiertes Leuchtenband. Der Diffusoreinsatz im Stoßfänger ist mit horizontalen Stegen neu gezeichnet.

Durch die Produktaufwertung (alias “PA” im Audi-Sprech) ändern sich die Abmessungen des Audi-Flaggschiffs nur minimal. Der A8 ist bei einem Radstand von 3,00 Metern 5,19 Meter lang, 1,95 Meter breit und 1,47 Meter hoch. Die Langversion legt mit 5,32 Meter nochmals spürbar zu, hier kommt das Plus den hinteren Plätzen zugute.

Fun Fact: In den großen Märkten China, USA, Kanada und Südkorea wird der Audi S8 ausschließlich mit langem Radstand angeboten. Beim Audi A8 L Horch, der Top-Version für den chinesischen Markt, kommen bei einer Fahrzeuglänge von 5,45 Metern im Vergleich zum A8 L noch einmal 13 Zentimeter hinzu.

Bildergalerie: Audi A8 L 60 TFSI e quattro (2022)

Wir Europäer müssen uns also mit maximal 5,32 Meter begnügen. Oder vergnügen, sobald man in den Fond sinkt. Raum, wohin das Auge blickt. Die Beine können ganz lässig übereinandergeschlagen werden. Oder man stellt die Füße auf einem kleinen Bänkchen ab. Gefühlt gibt es Studentenzimmer, die kleiner sind. Fest steht: Hier hat Audi eine kleine Wellness-Oase für Ruhe und/oder Arbeit geschaffen.

Das unbestrittene Highlight im L-Fond ist der Ruhesitz. Er bietet zahlreiche Einstellmöglichkeiten und eine Fußablage an der Lehne des Beifahrersitzes. Dort können sich Passagiere die Fußsohlen in mehreren Stufen wärmen und massieren lassen. Zum Ruhesitz-Paket gehören eine Rückenmassage mit 18 pneumatischen Kissen, elektrisch einstellbare Komfortkopfstützen, auf Wunsch eine durchgehende Mittelkonsole – optional mit Klapptischen, 4-Zonen-Komfortklimaautomatik und die neuen Bildschirme im Fond.

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Eine Kühlbox inklusive Barfach im Programm von Audi exclusive unterstreicht das komfortable Ambiente. Schöner Wohnen. Sie wollen im Fond lieber bewegte Bilder haben? Kein Problem: Die neuen Bildschirme sind zwei 10,1-Zoll-Displays mit Full-HD-Auflösung, die an den Lehnen der Vordersitze befestigt werden. Sie geben Inhalte von den Endgeräten der Passagiere wieder, zudem können sie zahlreiche Audio- und Videostreams empfangen.

Für anspruchsvolle Hi-Fi-Liebhaber ist das Bang & Olufsen Advanced Sound System konzipiert – es bringt den 3D-Klang mit seinen Höheninformationen auch auf die Rücksitze. Ein Verstärker steuert mit 1.920 Watt Leistung 23 Lautsprecher an, die Hochtöner-Linsen fahren elektrisch aus der Instrumententafel aus. Das Rear Seat Remote, das jetzt fest in der Mittelarmlehne montiert ist, erlaubt es, viele Komfort- und Infotainment-Funktionen vom Fond aus zu steuern. Die Bedieneinheit mit ihrem OLED-Touchdisplay ist etwa so groß wie ein Smartphone.

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Wie fährt er sich?

So weit, so unglaublich. Trotzdem braucht El Presidente natürlich auch im A8 trotz rund 40 Fahrerassistenzsystemen einen leibhaftigen Chauffeur. Also wechsele ich vom Apartment hinten auf den Fahrersitz. Auch hier kann man sich wohlfühlen und mit diversen Massageprogrammen umschmeicheln lassen.

Das Bedienkonzept im Audi A8 setzt auf zwei Displays (10,1 und 8,6 Zoll) und eine natürliche Sprachbedienung. Der Dialog wird mit dem Aufruf “Hey Audi!” gestartet. Das volldigitale Audi virtual cockpit mit dem optional erhältlichen Head-up-Display komplettiert das Armaturenbrett. Trotz aller Touch-Lastigkeit übertreibt es die Marke netterweise nicht bei den Displays. Ein “Mäusekino”-Effekt wie bei Mercedes S-Klasse oder EQS bleibt aus. Hier macht sich das Alter des A8 positiv bemerkbar.

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Fünf verschiedene Motorisierungen stehen beim aufgewerteten Audi A8 zur Auswahl. Von V6 TFSI- und V6 TDI-Motor, die aus jeweils drei Litern Hubraum schöpfen, über den Plug-in-Hybrid-Antrieb TFSI e, der V6 TFSI-Motor und E-Maschine kombiniert, bis hin zum 4.0 TFSI-Motor. Letzterer steht für den A8 und den S8 in unterschiedlichen Leistungsstufen zur Wahl. Freunde des Zwölfzylinders gehen leer aus.

In der Version für die A8-Modelle entwickelt der 4.0 TFSI 338 kW (460 PS) und 660 Nm Drehmoment, die zwischen 1.850 und 4.500 U/min bereitstehen. Aus ihnen resultieren sehr sportliche Fahrleistungen: Der A8 L 60 TFSI quattro sprintet einheitlich in 4,4 Sekunden von null auf 100 km/h.

Wohlgemerkt über 2,1 Tonnen Auto, verteilt auf satte 5,32 Meter Länge. Man fädelt auf die Autobahn ein, drückt kurz auf das Gaspedal und schon steht die Tachonadel bei Tempo 130. Es hat etwas von einer Boeing 747 beim Start. Allerdings ist der A8 L deutlich leiser. Wer Krawall kundtun möchte, möge sich einen R8 zulegen.

Bildergalerie: Audi S8 TFSI quattro (2022) im Test

Dennoch ist der lange 60er kein totaler fliegender Teppich, auch wenn Audi das vorausschauende Aktivfahrwerk anpreist. Es kann jedes Rad einzeln über einen Elektromotor mit zusätzlichen Kräften be- oder entlasten und damit die Lage der Karosserie in jeder Fahrsituation aktiv regeln. Zum komfortablen Ein- und Ausstieg hebt es die Karosserie bis zu 50 Millimeter an.

Zitat: “Im Modus comfort+ hingegen schwebt die Karosserie samtig über Unebenheiten hinweg. Hier arbeitet die Steuerung mit der Frontkamera zusammen, dadurch kann sie innerhalb der Systemgrenzen Unebenheiten erkennen und die Aktoren prädiktiv regeln. Zugleich reduziert die integrierte Kurvenneigefunktion die auf die Insassen einwirkenden Querbeschleunigungen. Bei Geradeausfahrt gleicht das vorausschauende Aktivfahrwerk Nickbewegungen der Karosserie aus.”

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Schön und gut. Aber in der Realität ist das Abrollen der 20-Zöller spürbar, “samtig” würde ich das Gesamtbild nicht nennen. Je nach Güte des Straßenbelags sogar eher “straff”. Indes: Im Fall des A8 L ist das Jammern auf hohem Niveau. Komplett abgekoppelt von der Straße ist man positiv wie negativ nicht. Positiv deshalb, weil mit der optionalen aktiven Direktlenkung Audis langer Lulatsch bemerkenswert handlich wird.

Falls Sie demnächst einen beruflichen Wechsel zum Kanzler/Präsidenten/lokalen Diktator/König planen, aber ihren Volk misstrauen: Von der Produktaufwertung des A8 profitiert auch der Umbau zum Sonderschutzfahrzeug. Konzipiert für die besonders hohen Anforderungen im Bereich der Panzerung, wird der A8 L Security von einem Biturbo-V8 mit 420 kW (571 PS) angetrieben.

Was kostet er?

Dann jedoch dürfte die Rechnung etwas höher ausfallen. Der überarbeitete A8 ist seit Dezember 2021 im europäischen Handel bestellbar. In Deutschland beträgt der Grundpreis für den A8 nun 97.800 Euro. Der Audi A8 60 TFSI e quattro kostet ab 108.950 Euro und der S8 ist ab 144.800 Euro bestellbar.

Der von uns getestete A8 L 60 TFSI kostet exakt 124.000 Euro, der Aufpreis für die zusätzlichen Zentimeter liegt bei relativ moderaten 3.500 Euro. Wir reden hier allerdings vom Basisbetrag. Vollgepackt mit Extras lag mein spezifischer Testwagen bei gut 177.000 Euro.

Fazit: 8/10

Wirklich Sinn macht der A8 auch nach dem Facelift eigentlich nur in der Langversion, sofern man den Platz im Fond dienstlich nutzen möchte. Selbstfahrer hingegen treffen mit einem kompakteren A6 keine schlechtere Wahl, zumal dessen Cockpit dem des A8 ähnlich ist. Hier beginnt der 55 TFSI mit 340 PS bei knapp 65.000 Euro.

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